Das! Ist! So! Ungerecht! – kommen Familien wirklich zu kurz?

Ob es um Reiswaffeln und den Platz auf Papas Schoß geht oder um Steuern und Kita-Plätze: Zu kurz kommen ist ein mieses Gefühl. Warum ist Gerechtigkeit gerade so ein großes Thema – und werden Familien in Deutschland tatsächlich benachteiligt? Dem bin ich im Sommer 2015 fürs ELTERN-Magazin nachgegangen

An einem kühlen Sommertag vor sieben Jahren kam Henri auf die Welt, und er kam nicht allein. Neben drei Kilo konzentrierter Niedlichkeit brachte mein zweites Kind auch etwas mit, das wir vorher in unserer kleinen Familie nicht kannten: ein Päckchen Ungerechtigkeit. Ihn nahm ich mit Leichtigkeit eine halbe Stunde nach der Entbindung auf den Arm, meine Zweieinhalbjährige konnte ich zum ersten Mal in ihrem Leben nicht vom Boden hochheben. Und als Helen verstand, dass sie diese Nacht bei ihrer Großmutter verbringen sollte, während das neue Baby zwischen uns im Doppelbett des Krankenhaus-Gästetraktes schnuffelte, da sah sie mich auf eine Weise an, bei der ich dachte: So etwa müssen die französischen Bürger dreingeblickt haben beim Sturm auf die Bastille. Wo der Adel seine Petits Fours schlemmte, während sie höchstens ein trockenes Baguette zu beißen hatten.

Ungerechtigkeit, das ist ein Thema, an dem keiner vorbeikommt – schon, wenn er das Wort noch nicht einmal aussprechen kann. Dass bereits die Jüngsten einen ausgeprägten Sinn dafür haben, wies kürzlich eine Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts und der Uni Manchester nach: Bei einem Spiel, in dem Handpuppen willkürlich Gegenstände weggenommen und zugeteilt wurden, gingen schon Dreijährige engagiert dazwischen. Aber auch in der Erwachsenenwelt feiert die Frage nach der richtigen Verteilung ein stürmisches Comeback – von der Diskussion um Erbschaftssteuern bis zum Erzieher-Gehalt. „Das Thema steht je nach Zeitgeist immer wieder hoch im Kurs “, erklärt der Soziologe Stefan Liebig, der an der Uni Bielefeld dazu forscht. „Sieht man sich beispielsweise die Programme der politischen Parteien in den letzten zehn bis zwanzig Jahre durch, fällt auf, dass Gerechtigkeit deutlich häufiger genannt wird – rechts genau so wie links.“

Diese Sehnsucht hat mehrere Gründe. Zum einen ist unsere Gesellschaft tatsächlich ungleicher geworden, etwa bei der Verteilung von Einkommen und Vermögen. Zum anderen wird sie immer komplizierter – und damit auch die G-Frage. Denn was ist ungerechter: dass Erzieherinnen schlechter bezahlt werden als Grundschullehrerinnen – oder dass Familien die Folgen eines Kita-Streiks privat ausbaden müssen? Wenn ein Junge mit Down-Syndrom nicht aufs Gymnasium darf – oder wenn Lehrern ihren anderen Schülern Zeit entziehen, die sie für Inklusionskinder extra brauchen? Fast jede Klientel führt ihre eigene Debatte, hat ihre eigenen Vertreter. Und es geht noch eine Nummer größer: Homo-Ehe, Grexit, Flüchtlingskatastrophe – lässt sich alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren.

„Gerechtigkeit ist ein Werkzeug, das uns erkennen hilft, ob wir in einer sozialen Gruppe, im Unternehmen oder der Gesellschaft als gleichwertiges Mitglied anerkannt und unsere Interessen angemessen berücksichtigt werden. Aber was wir darunter verstehen, unterscheidet sich je nach dem System, in dem wir uns bewegen“, erklärt Stefan Liebig. In der Familie verhandeln wir nach dem „Bedarfsprinzip“: Wenn der Sechsjährige einen zweiten Burger isst und die Zweijährige nur einen halben, ist das nicht unfair, sondern eine Frage von Hunger und Körpergewicht. Am Arbeitsplatz gilt dagegen das „Leistungsprinzip“: Völlig okay, dass die Chefin mehr verdient als ich, jedenfalls so lange, wie sie ihren Job gut macht. Nicht, weil sie unbedingt eine teurere Wohnung braucht als ich, sondern weil sie die anspruchsvollere Tätigkeit hat.

Ein gewisses Maß von Ungleichbehandlung finden wir also durchaus okay – aber das hat seine Grenzen. „Dass wir heute mehr über Gerechtigkeit diskutieren, ist ein Zeichen von zunehmender Sensibilität“, findet Liebig. Also absolut positiv. Und das nagende Gefühl von Unfairness ist ein guter Motor für Veränderung. Mit Wut im Bauch organisieren wir Rathaus-Sit-Ins oder starten Online-Petitionen. Häufig braucht es dafür aber eine Art Initialzündung – Menschen, die zum ersten Mal eine Ungerechtigkeit benennen, die andere achselzuckend hingenommen haben. „Kinder bekommen die Leute sowieso“, sagte Altbundeskanzler Konrad Adenauer noch in den 50er Jahren, und fand deshalb familienpolitische Leistungen eher überflüssig. Das hat sich gedreht, weiß Stefan Liebig: „Babys zu bekommen ist heute nicht mehr selbstverständlich, sondern Eltern verstehen sich auch als Leistungsträger, und erwarten eine Gegenleistung vom Staat.“ Der gerät dadurch in Zugzwang. Kindergeld, Elterngeld, subventionierte Kita-Plätze für unter 3jährige – noch vor 20 Jahren wäre man für solche Forderungen ausgelacht worden. Da gründeten berufstätige Eltern eher still und leise eine private Kita-Initiative, statt vor dem Rathaus zu demonstrieren.

Aber der „Yes, we can“-Elan hat auch eine Kehrseite. Denn wenn das „Alles-ist-so-fies“-Gefühl ständig an uns nagt, machen wir uns unglücklich. „Wir jammern manchmal auf hohem Niveau“, sagt auch Stefan Liebig, „in kaum einem anderen Staat wird mehr für Familienpolitik ausgegeben als in Deutschland.“ Stattdessen sehen wir gerne das sprichwörtliche grünere Gras auf der anderen Seite des Zaunes: familienfreundlichere Arbeitszeiten in Schweden, Krippenversorgung in Frankreich. Und fallen aus allen Wolken, wenn britische Bekannte unser eigenes Gras saftiger finden: Really, ihr habt Anrecht auf mehr als zwölf Monate bezahlten Eltern-Urlaub? Oder französische: Vraiment, Stillen in der Öffentlichkeit ist bei euch okay? Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um das ganze Bild zu sehen.

An einem kühlen Sommertag im Jahr 2015 saß ich mit meinen beiden Kindern im Auto, und alles war voll ungerecht. Helen, 9, wollte lieber die ‚Revolverheld’-CD hören als ‚Fünf Freunde’: „Immer darf Henri bestimmen!“ Und Henri, 7, gefielen die Gesprächsthemen nicht: „Mit mir redest du immer nur über kleine Sachen! Und mit Helen über wichtiges!“ Wir hatten zwei Stunden Fahrt vor uns. Viel Zeit für eine Aussprache, nicht die erste und nicht die letzte. Und während wir mal wieder verhandelten, was man tun könnte gegen die gefühlte Ungerechtigkeit, dachte ich: Das schönste daran ist, dass sie uns zum Reden bringt. Dass sie ein Türöffner ist, der uns hilft, unsere Gefühle in Worte zu fassen. Auch wenn es selten eine ganz einfache Lösung gibt. Das einzusehen, gehört vielleicht zu den wichtigsten Aufgaben am Erwachsenwerden. Ich bin jetzt 45. Ich arbeite weiter daran.

Fies – oder?

Wir haben auf der ELTERN-Facebookseite nachgefragt, welche Ungerechtigkeiten euch am meisten nerven. Und herausgefunden, was wirklich dran ist.

1.) Geld: Zu wenig des Guten

Gefühlte Wahrheit: „Unser Steuer- und Sozialsystem bevorzugt Kinderlose gegenüber Familien, Elternpaare gegenüber Alleinerziehenden, Reichere gegenüber Ärmeren.“

 Reality Check:

Rund 200 Milliarden gibt der Staat jährlich für eine Vielzahl familienpolitischer Leistungen aus – kein Pappenstiel. Kinderlose tragen diese Ausgaben mit, und das ist auch gerecht, sagt Siegfried Stresing, Sprecher des Deutschen Familienverbandes: „Die Kita-Kinder von heute sind die Ärzte, Altenpfleger und Busfahrer von morgen – deshalb sollte auch Kinderlosen ihre Ausbildung heute etwas wert sein.“ Auch der Staat fördert nicht uneigennützig: Jedes heute geborene Kind spült nämlich später als Steuer- und Beitragszahler Geld in die Kassen, laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung allein 77.000 Euro Überschuss in der Rentenversicherung. So weit, so fair? Nein, findet Siegfried Stresing: „Erwerbstätige Eltern finanzieren heute sowohl die Renten der Älteren als auch die nachkommende Generation.“ Zuschläge zahlen Kinderlose aber nur bei der Pflegeversicherung. Deshalb fordert sein Verband Entlastung bei allen Sozialabgaben (mehr unter www.elternklagen.de). Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, ist da anderer Meinung: „Bei Rentenansprüchen und über die beitragsfreie Familienversicherung unterstützt der Staat Familien heute schon.“ Ihm sind andere Punkte wichtig: steuerliche Entlastung mittlerer Einkommen, Anpassung der Tarife an die Preisentwicklung, höhere Grundfreibeträge für Kinder, eine Senkung der Grunderwerbs- und Verbrauchssteuern. Denn Abgaben auf Heizöl und Mehrwertsteuer auf Gummistiefel, Brotboxen und Spielzeug treffen Eltern überproportional. Ein wenig gerechter ist die Welt für Alleinerziehende geworden: Ihr jährlicher Entlastungsbeitrag wurde um 50 Prozent angehoben.

Ungerecht? Ja – aber wohl schwer zu ändern. Denn beim Werben um Wählerstimmen zählen andere Bevölkerungsteile mehr als junge Familien. Vor allem die wachsende Gruppe älterer Menschen. Es gibt aber immer wieder Teilerfolge: So hat die Bundesregierung beschlossen, ab 2016 die Steuerlast der Teuerungsrate anzugleichen.

2.) Wohnen: schwierig – aber nicht nur für Familien

Gefühlte Wahrheit: „Für Vermieter sind Kinder ein rotes Tuch. Familien finden schwerer eine Wohnung als Singles, und kaum kickt ein Zweijähriger einen Ball im Flur, steht die olle Nachbarin vor der Tür und wedelt mit der Hausordnung!“

 Reality Check:

  • „Familien werden bei der Wohnungssuche nicht grundsätzlich benachteiligt“, sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes. „Andere Fakten spielen eine größere Rolle. Schlechte Karten hat, wer in unsicheren Arbeitsverhältnissen lebt und wenig Einkommen hat. Und Wohnungssucher mit ausländisch klingenden Namen haben es schwerer als solche mit deutsche – unabhängig von der Kinderzahl.“
  • Die Rechtssprechung ist generell kinderfreundlich. Sprich: Je kleiner ein Kind, desto selbstverständlicher müssen sich Nachbarn mit Lautstärke abfinden. Babys weinen nun mal auch nachts um drei, ein 14jähriger darf zur gleichen Zeit seine Musikanlage nicht voll aufdrehen. Ropertz rät: Schon bei der Wohnungssuche darauf achten, wer die anderen Mieter sind.
  • Wahr ist: Es gibt in Deutschland zu wenig bezahlbare Mietwohnungen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass jährlich 272.000 neue gebaut werden müssten, der Mieterbund sogar von 400.000 – tatsächlich sind es nur 000. In begehrten Großstadtlagen sind die Quadratmeterpreise am höchsten, Eltern haben aber häufig keine andere Wahl: Die meisten Arbeitsplätze gibt’s nun mal in Ballungszentren, und täglich stundenlange Pendelei ist auch nicht familienfreundlich. Gute Nachricht für Häuslebauer: Laut einer aktuellen Studie der Postbank können sich auch Durchschnittsverdiener immerhin in drei Viertel aller deutschen Kommunen Wohneigentum leisten.

 Ungerecht? Geht so. Am schwersten auf dem Wohnungsmarkt haben es die, die auch sonst zu kämpfen haben: Alleinerziehende Mütter und Väter, aber genau so der deutschtürkische Single in einem prekären Arbeitsverhältnis.

3.) Kinderbetreuung: von Spitze bis mangelhaft

Gefühlte Wahrheit: „Ob ich einen Kita-Platz finde, was ich selbst dafür zahlen muss und wie gut die Betreuung ist, ist Glücksache – je nach Wohnort“

 Reality Check:

ELTERN: Frau Bock-Famulla, Sie beschäftigen sich für die Bertelsmann-Stiftung mit der Kita-Landschaft in Deutschland. Geht es da tatsächlich so ungerecht zu?

Kathrin Bock-Famulla: Doch, das würde ich unterschreiben. Wenn Sie einen Krippenplatz suchen, haben Sie beispielsweise in Sachsen-Anhalt deutlich bessere Karten als in Baden-Württemberg. In Sachen Qualität ist es aber genau anders herum: In den neuen Bundesländern ist zwar der Bedarf an Plätzen nahezu gedeckt, aber im Schnitt kommen doppelt so viele Kinder auf eine Fachkraft wie in den alten.

Und völlig unabhängig davon, wie gut die Betreuung ist, müssen Eltern dafür auch noch ganz unterschiedlich viel bezahlen….

Ja, das hat vor allem damit zu tun, wie viel die Länder bei der Kita-Finanzierung zuschießen. In Berlin tun sie das zum Beispiel zu 25 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern nur zu neun Prozent. Dazu kommt, dass oft nicht mal die Kommunen die Höhe der Elternbeiträge festlegen, sondern jeder Träger für sich, zum Beispiel in Niedersachsen.

Können sich Eltern wenigstens aussuchen, wie viele Stunden täglich sie buchen?

Auch nicht unbedingt. Aus Nordrhein-Westfalen wissen wir, dass viele Kitas grundsätzlich nur 8-Stunden-Plätze vergeben, um sich leichter finanzieren zu können. Natürlich wird keiner gezwungen, sein Kind bis um vier dort zu lassen – aber bezahlen muss man den vollen Satz trotzdem.

 

Ungerecht? Aber hallo! Blickt man allerdings über den Tellerrand, sieht das schon wieder anders aus: Immerhin hat Deutschland ein staatlich organisiertes Kinderbetreuungs-System – in den USA ist „Day Care“ Privatsache. Und in Skandinavien ist zwar immer alles besser, aber insgesamt sind deutsche Erzieher durch ihre Ausbildung höher qualifiziert als schwedische und norwegische.

4.) Arbeiten: Eine Frage der Perspektive

Gefühlte Wahrheit: „Mütter im Job? Totale Schikane. Meetings finden statt, wenn wir nicht mehr im Haus sind, Chefs nehmen uns nicht für voll, Kollegen mobben uns – dabei leisten wir oft mehr als Kinderlose, weil wir uns ständig beweisen müssen.“

 Reality Check:

PRO: Christine Finke aus Konstanz, 49, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, ist gelernte Fach-Redakteurin und hat sich als Bloggerin und Autorin selbständig gemacht (www.mama-arbeitet.de): „Als Berufsanfängerin dachte ich häufig: Mütter, die am Arbeitsplatz ständig fehlen – wenn ich mal in der Situation bin, werde ich das anders handhaben. Und so war es auch: Über Jahre habe ich gearbeitet, als hätte ich keine Kinder, habe Unsummen für Kita plus Au-Pair plus Babysitting ausgegeben, und saß schon eine Woche nach den Geburten der Kinder wieder am Laptop. Was hat es mir genützt? Vor vier Jahren verlor ich meinen Job betriebsbedingt, und als Alleinerziehende mit drei Kindern über 40 fassen Personaler deine Bewerbung nur mit spitzen Fingern an. Ich kann das sogar verstehen: Mit Kinderkrankentagen und Urlaub könnte ich übers Jahr fast drei Monate fehlen. Über mein Blog schreiben mir häufig Mütter, die deshalb im Job schlecht behandelt werden: Es ist ein beliebter Trick, Frauen loszuwerden, in dem man ihnen nach der Babypause einen total inakzeptablen Arbeitsbereich zuweist und wartet, dass sie von selbst gehen.“

CONTRA: Edith Maack (Name geändert), 28, arbeitet im Marketing eines Reiseveranstalters in Frankfurt: „Meine Kolleginnen sind Mütter, meine Chefin hat Kinder – in meiner Branche ist Familie kein Karrierehindernis, und darüber freue ich mich auch. Aber: Wenn man die einzige in der Abteilung ist, die noch kein Baby hat, ist das oft hart. Bei mir bleibt nämlich immer alles liegen, auch wenn ich dann bis abends um sieben am Schreibtisch sitze, weil die Kolleginnen ja um drei losmüssen, ihre Kinder abholen. Die Chefin geht auch vor mir, und sieht deshalb nicht, wie ich für alle die Kohlen aus dem Feuer hole. Und als ich zu einem großen Familienfest im Hochsommer Urlaub beantragen wollte, wurde ich abgewiesen: Die Ferienzeiten sind für Kollegen mit Schulkindern reserviert.“

 Ungerecht? Mal so, mal so. Sicherlich haben Arbeitgeber noch einen weiten Weg zu einer familienfreundlicheren Arbeitswelt vor sich. Was den Alltag mit den kinderlosen Kollegen angeht: Reden und Blickwinkel wechseln hilft – auch von Elternseite.

5.) Am Wohnort: Mehr Grün für Omas und Enkel

Gefühlte Wahrheit: „Schmale Bürgersteige, zu wenig Grünflächen, U-Bahn-Stationen ohne Lift: Mit kleinen Kindern kann man sich in der Stadt nur schwer bewegen.“

 Reality Check: Christina Peterburs arbeitet im Planungsbüro „Stadtkinder“ in Dortmund und berät Kommunen und Wohnungsbauunternehmen und sagt: „Wenn es darum geht, neue Quartiere zu entwickeln oder alte zu modernisieren, muss man immer verschiedene Interessen unter einen Hut bringen – von Umweltbelangen bis zu den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen. Allerdings gibt es viele Punkte, in denen die Interessen von Kindern und Familien mit denen anderer Gruppen zusammenfallen: etwa, wenn es um barrierefreies Bauen für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen geht, was ja heute Standard ist, oder um sichere Straßenübergänge. In den 50er und 60er Jahren stand oft mehr die Frage im Vordergrund, ob eine Stadt autogerecht ist, als ob Kinder sich dort wohlfühlen. Mittlerweile setzen sich aber Ideen durch, die mehr auf Interessenausgleich setzen. Das klappt sogar in der Großstadt, und nicht nur in einzelnen Vorzeige-Vierteln wie etwa dem Freiburger Vauban-Quartier. In Mülheim an der Ruhr wurde dazu sogar extra ein Masterplan unter dem Motto „Spielen und Bewegen“ erarbeitet. Der Architekt Jan Gehl hat in Kopenhagen ein Verkehrskonzept entwickelt, das auf Radfahren und öffentlichen Nahverkehr setzt. So erhält der öffentliche Raum mehr Aufenthaltsqualität und Kinder können gefahrlos unterwegs sein. Ein neuer Trend sind auch Mehrgenerationen-Spielplätze: mit Geräten, an denen ältere Menschen Gymnastik machen können und Kinder klettern und toben.“

Ungerecht? Nein – Städte sind sogar familienfreundlicher als früher. Aber wenn uns Singles die Mutter-Kind-Parkplätze wegschnappen – das ist wirklich fies!

6.) Reisen: Mit ein paar Tricks klappt’s günstiger

Gefühlte Wahrheit: „Spätestens, wenn das älteste Kind in die Schule kommt, sind wir gekniffen: Müssen ausgerechnet dann verreisen, wenn es überall am vollsten, am teuersten und außerdem am heißesten ist!“

 Reality Check: Klar, in der Hauptsaison wird abkassiert. Tipps für smarten Urlaub:

– Es muss nicht immer Juli sein: In vielen Bundesländern dauern Herbstferien zwei Wochen. Super Zeitpunkt für Sommerverlängerung im Süden.

– Urlaubspauschalen sind je nach Ferienkalender in benachbarten Bundesländern unterschiedlich teuer – manchmal lohnt sich die längere Airport-Anfahrt.

– Sommerurlaub entweder ganz früh buchen (an der Ostsee machen viele schon im August die Ferienwohnung für den nächsten Sommer klar), oder ganz spät – früh hat man die größte Auswahl, Last-minute die größten Preisnachlässe.

– Mit Haus- und Wohnungstausch (z.B. www.homelink.de) gibt’s die Unterkunft auch im Hochsommer fast zum Nulltarif.

– Große Veranstalter wie TUI, Alltours und ITS bieten auch in der Hauptsaison günstige Kinder-Festpreise. Online vergleichen z.B. unter www.preiswertbuchen.de

Unfair? Ja, aber nicht sehr. Schließlich hat der Urlaub zur Stoßzeit auch Vorteile: mehr Programm am Urlaubsort, alle Restaurants geöffnet, gleichaltrige Spielkameraden, so weit der Strand reicht….

 

 

 

 

 

 

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