Polyamorie: In guten wie in guten Zeiten

Alle miteinander haben sich ganz lieb, jeder ist für sich selbst verantwortlich, reden hilft: Der Gesellschaftstrend „Polyamorie“ klingt nach einem Märchen für Erwachsene. Ich fürchte: Genau das ist es auch. Geht das nur mir so?, frage ich mich in der BRIGITTE im Mai 2017

 Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist daran meistens etwas faul. Das gilt für 19-Euro-Flugtickets genau so wie für die Polyamorie. Sie wissen auch nicht so ganz genau, was das ist? Laut Wikipedia geht es um die Idee, „mehr als einen Menschen zur gleichen Zeit zu lieben, mit Wissen und Einverständnis aller Beteiligten, als langfristig und vertrauensvoll angelegte Beziehung.“ Also: ein bisschen Woodstock, ein bisschen Sharing-Economy. Der „Spiegel“ feierte offen geführte Mehrfach-Lieben kürzlich gar als feministische Erfolgsgeschichte. Seitdem frage ich mich ständig: Wo ist der Haken? Denn irgendeinen haben sie ja alle, diese super-duper-sorglos-Angebote. Die billigen Flugtickets gelten nur am 31. Februar morgens um halb vier one-way. Und die Polyamorie? Mag funktionieren. Aber nur für Menschen, die halbwegs jung, halbwegs schön, halbwegs kinderlos, halbwegs gesund und krisenfrei sind.

Ich glaube nämlich nicht nur, dass immer einer mehr leidet, je schwereloser der andere von Blüte zu Blüte hüpft. Ich frage mich vor allem, wie tragfähig so eine Mehrfachbeziehung wird, wenn’s hart auf hart kommt. Wenn das luftige Liebes-Ideal auf dem Boden der Tatsachen landet. Kein Problem, so lange alle tiefenentspannt durchs Leben gehen: Der Ben wacht morgens um zehn in Julias Single-Appartement auf und frühstückt um elf bei der Geli Croissants mit Erdbeermarmelade, ganz ohne Eifersucht und Heimlichkeiten. Aber was, wenn die Geli am Freitag eine fiese Wurzelbehandlung hat, Julia aber mehr Lust auf eine Spritztour ins Romantik-Hotel? Wenn Julia ein Baby bekommt – schläft Ben bei seiner Alternativ-Liebe, weil da die Nächte ruhiger sind? Und wenn Ben seinen Job verliert: Machen dann beide Frauen Schluss? Weil negative Vibes das gute Feeling ruinieren, und Trips ins Romantik-Hotel nicht vom ALG II zu bezahlen sind? Oder legen Geli und Julia fürs Dreierzimmer zusammen? Das ist für mich der größte Minuspunkt des Ich-liebe-euch doch-alle-Ideals: Schwach sein ist nicht. Jedenfalls nicht für länger.

Klar, auch in gewöhnlichen Zweierbeziehungen klappt das nicht immer mit den guten und den schlechten Zeiten. Egal ob verheiratet oder nicht, homo oder hetero. Es gibt Männer, die gehen während der Krebs-OP ihrer Frau zum Segeln, und Frauen, die ihre Zuneigung an den Gehaltszettel oder den BMI ihres Lebensgefährten koppeln. Aber dann weiß man wenigstens: Das ist wohl nicht der Mensch, auf den ich mich im Leben verlassen sollte. In anderen Fällen tut es der Liebe sogar gut, wenn sie kein allzu bequemes Schlupfloch hat. Wenn einen nicht nur luftiges Gefühl bindet, sondern auch das Kind, die Eigentumswohnung, die gemeinsame Firma, dann ist man doch eher bereit zu bleiben, zu streiten, bestenfalls aneinander zu wachsen. Ja: das hat mit Abhängigkeit zu tun, das ist anstrengend. Aber auch Mehrfach-Beziehungen sind ja kein Ponyhof, sie zerren nur anders an den Nerven. Liebe gerecht verteilen, Bedürfnisse abwägen: ein emotionaler Vollzeitjob. Und es gibt Phasen im Leben, da möchte ich nicht dauernd verhandeln, sondern mich einfach mal fallen lassen. Zu wissen, dass einer mich auch mit unrasierten Beinen liebt; zurücklieben, auch wenn er nicht jeden Abend Energie hat für tiefe Talks: Das ist wirklich mal ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann.

 

Was Journalisten über meine Bücher schreiben

Pressestimmen zu „Irgendwie irgendwann“

Ein vergnüglicher, mit Nadelstichen versehener 80er-Jahre-Roman
(Bild am Sonntag, 10.8.08)

Verena Carl schildert (…) facettenreich und flüssig. Sie leuchtet den zeitgeschichtlichen Hintergrund, die Schauplätze und deren meist links-alternatives Personal akribisch aus und beschreibt mit Verve und einem Humor, dessen angenehme Trockenheit der Geschichte sympathische Schwingungen verleiht.
(literaturkritik.de)

Geschickt und amüsant verknüpft Carl die Katastrophe des Erwachsenwerdens mit der Apokalypse, vor der Freiburgs links-alternative Szene eine beinahe hysterische Angst entwickelt: Warum für die Schule lernen, wenn morgen alle Atomwaffenarsenale in die Luft fliegen können? (…) Mixkassetten, Kerzen in Flaschen, die auf Kneipentische tropfen, Nena, Orwells „1984“, der erste CD-Player – ein Vergnügen ist das Buch insbesondere für alle, die tief in die 80er eintauchen wollen.
(Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, 28.3.08)

„Irgendwie Irgendwann“ ist ein sensibel und smart geschriebener Coming-of-Age-Roman, der die 80er-Jahre als Folie nutzt, auf der familiäre Dramen fast beiläufig miterzählt werden.“
(Hamburger Abendblatt, 26.3.08)

Friedensdemos und Liebeskriege – Verena Carl erzählt authentisch und mit umwerfender Tragikomik. Es schadet kein bisschen, dass sie unterhalten will, und badische Mundart, zeigt sich, passt zu den 80ern wie Hennarot zur schrumpelnden Malerin.
(Focus, 17. März 2008)

Super Retro-Roman über die 80er, dessen atmosphärischer Stil nicht von gestern ist.
(petra, März 2008)

Verena Carl […] schreibt authentisch vom Erwachsenwerden in einer (Frauen-)bewegten Zeit.
(Freundin, 16. Januar 2008)

Witzige Zeitreise in die 80er, die Ära von Latzhosen, Anti-AKW-Aufklebern und Frischkornbrei. Alle sind friedensbewegt und ökologisch engagiert…
(Maxi, März 2008)

Mit vielen ‚Kenn ich auch‘-Momenten!
(jolie, April 2008)

Verena Carl lässt ein ganzes Jahrzehnt wieder auferstehen, in dem die Angst vor einem Atomkrieg größer war, als keine Lehrstelle zu finden. ‚Irgendwie, Irgendwann‘ ist kein Action-Roman, in dem viel Spektakuläres passiert. Und trotzdem sind die 300 Seiten von der ersten bis zur letzten Seite spannend, weil das Erwachsenwerden der Hauptfigur so echt und lebendig erzählt wird.
(SWR1, 29. Februar 2008)

Schweigen für den Frieden, strickende Männer, Bhaghwan-Jünger: Verena Carls 80er-Jahre-Panorama ist skurril, witzig und einfach hinreißend.
(Für Sie, 5. Februar 2008)

…wirkt die Hauptfigur in ihrer Erzählhaltung authentisch und sympathisch. Verena Carl beschreibt eine noch nicht allzu ferne Zeit und ihre Erscheinungen konsequent aus dem Winkel eines heranwachsenden Kindes und entlarvt sie so ein ums andere Mal. […] Der leichte Bildungsroman eines Mädchens mit Haut- und Gewichtsproblemen wird letztlich zu einer ungemütlichen Analyse des Verfalls […] Der bittere Nachgeschmack macht den Roman zu einer Urlaubslektüre mit Mehrwert.
(Badische Zeitung, 22. Februar 2008)

Eine amüsante, authentische Zeitriese in die friedensbewegten, ökologisch korrekten 80er aus Teenager-Sicht.
(Glamour, 5. Februar 2008)

…kann man hier herrlich in Erinnerungen schwelgen –
(bücher, Februar 2008)

…mischen sich Elemente der klassischen Coming-of-age-Geschichte mit grotesk-komischen Reminiszenzen an ein ziemlich widersprüchliches Jahrzehnt.
(Szene Hamburg, März 2008)

Einfühlsam, fesselnd und mit feinem sprachlichen Geschick, berichtet Carl darin von den Wirrungen der ersten Liebe in Zeiten von Anti-Atomkraft-Demos, Strickpullovern und nuklearer Bedrohung und lässt dabei ein ganzes Jahrzehnt aufleben, in dem Twix noch Raider hieß und Achselbehaarung als schick galt.
(chilli, März 2008)

Dieses neongrüne, aber nie oberflächliche Buch ist perfekter Badewannenstoff.
(blond magazine, März 2008)

…zwischen Anti-Atomkraft, Bio-Möhren und Latzhosen entspinnt Carl eine lebendige Geschichte.
(Bielefelder, März 2008)

Verena Carl erzählt ihre Geschichte ruhig, unaufgeregt, mit bisweilen trockenen Witz und nie mit zu großer Geste.
(ultimo – Stadtmagazin Bielefeld Münster, 18. Februar 2008)

Pressestimmen zu „Wer reinkommt, ist drin“

Verena Carl, 1969 in Freiburg geboren und aufgewachsen, hat selber in München studiert und lässt die Zeit, als Normalsterbliche keine Chance hatten, am Türsteher der Edeldisco P 1 vorbeizukommen und nur wenige privilegierte Studis einen PC auf dem Schreibtisch stehen hatten, aufscheinen. Das weckt nostalgische Gefühle und ist recht kurzweilig zu lesen – vor allem, wenn man sich ein wenig in München auskennt.
Badische Zeitung, 2.3.2012

„Wer reinkommt, ist drin“ transportiert das Lebensgefühl Heranwachsender aus einer Zeit, die nur zwanzig Jahre zurückliegt, doch aus heutiger Sicht ewig weit entfernt scheint und so nicht mehr vorstellbar ist. Verena Carl karikiert glänzend die Schnittstelle zwischen der analogen Welt mit Schreibmaschine und Festnetztelefon und der heutigen digitalen Welt mit Internet und ständiger Erreichbarkeit, was einige Schmunzler beim Leser hervorrufen wird. Diejenigen Menschen, die bereits mit Handys aufgewachsen sind, werden hingegen Probleme damit haben, zu verstehen, warum ein Date mit Candlelight-Dinner aufgrund einer unangemeldeten Verspätung scheitern könne. Schließlich hätte man doch mit einer SMS kurz Bescheid geben können, oder?
literaturmarkt.info, 27.2.2012

Verena Carl erzählt leicht und locker, ohne ins allzu Seichte oder Kitschige abzurutschen. Gerne erinnert man sich mit ihr an die vielen Attribute jener Epoche und schwelgt für eine kurze Zeit wieder im damaligen Gefühl der Leichtigkeit des Seins. Schnell erkennt man aber auch die Geschichten wieder, die klarmachen, wie zerbrechlich Lebensträume sind, und wie oft eine Chance nur durch den Zufall bestimmt wird. Das Buch ist sehr auf die persönliche Ebene seiner Figuren ausgerichtet, es ist ganz sicher kein politisch motiviertes. Und dennoch – ist es nicht gerade das Fehlen der politischen Diskussionen und Intentionen, die entlarvend sind für diese Zeit? Gerade heute kommt man bei der Lektüre nicht umhin, sich zu fragen, ob vieles von dem Chaos, der Nicht-Bereitschaft zu Verantwortung nicht auch in diesen schaumschlagenden 90er Jahren begründet liegt.
www.literaturzeitschrift.de, 23.2.21012

Verena Carl erzählt aus einer Zeit, die sie selbst erlebt hat, locker, humorvoll und mit einem Schuss Wehmut.
Lilo Solcher, Augsburger Allgemeine, in ihrem Blog „Lilos Reisen“, Februar 2012

Verena Carl unternimmt in ihrem neuen Buch ‚Wer reinkommt ist drin‘ einen Zeitsprung in die 90er Jahre, als Pasta noch Nudel hieß, Rucola noch nicht schick war und man nichts dabei fand, den Cappuccino mit Sahne zu trinken….Begegnungen zwischen Deutschland-West und Deutschland-Ost, mit viel Empathie für die Protagonisten und einer gehörigen Portion Humor.
Heidenheimer Neue Presse, 11.2.12

Reichlich Epochenattribute, die dem Leser die Erinnerung an die seltsam indifferenten 90er Jahre erleichtern, fügt Verena Carl zur meist leichten und lockeren Lektüre. Ihre unterhaltsame Figurenkonstellation, die nicht im Seichten verharrt, sondern durchaus Brüche bietet und eine überraschend konträr zueinander verlaufende Entwicklung nimmt, eignet sich nicht nur bestens als Badewannenlektüre, sie wäre auch ideal zur Verfilmung geeignet.
Hamburger Abendblatt, 9.2.2012

Pressestimmen zu „Mantramänner“ (unter Janna Hagedorn)

Mit Mantra-Männer legt die Hamburger Journalistin und Autorin Janna Hagedorn einen kurzweiligen und unterhaltsamen Roman vor, der mit einem Augenzwinkern die Yoga-Szene aufs Korn nimmt.
(Visionen, Juli 2011)

Angriff auf die Lachmuskeln!
(Sat 1 Nord, 26.4.2011)

Lustig, romantisch, aus dem Leben gegriffen
(Mopo, 28.4.2011)

Leichte Kost, amüsant – egal, ob man Yoga praktiziert oder nicht
(Nordkurier, 4.5.2011)

Unbedingt lesen. Schließlich kann nicht nur Yoga, sondern auch Lachen herrlich entspannen!
(Bella, März 2011)

Gute-Laune-Roman mit vielen amüsanten Verwicklungen
(Tina, 30.3.11)

Hagedorn schreibt pfiffig und flott und nimmt dabei das ganze Yoga-Getue ordentlich aufs Korn – nicht ohne klarzumachen, dass die indische Bewegungsschule ein seriöser Weg ist, im Leben zufriedener zu werden
(HNA, 5. 3. 11)

Ein Spiel mit Klischees – herrlich!
(Lea, Februar 11)

Mantramänner lebt von Situationskomik, einem Quäntchen Tiefgang – und macht richtig Lust auf Yoga!
(BZ Berlin, 20.3.11)

Lange nicht mehr so gelacht!
(Grazia Magazin, 24.2.11)

Mein Leben – to be continued

Geboren bin ich an einem kalten Dezembertag im Jahr 1969 – ein wenig zu früh, so heißt es. Ich nehme an, dass ich mir die Sixties nicht so ganz entgehen lassen wollte. Meine Siebziger- und Achtziger-Jahre-Kindheit inklusive Schlaghosen und asymmetrischen Haarschnitten verbrachte ich in Freiburg, zog 1989 zum Studium nach München und verpasste so prompt fast den Mauerfall, weil ich am 9. November noch keine Fernseher besaß. 1994 schloss ich mein Studium (BWL mit Schwerpunkt Touristik) an der FH München mit Diplom ab, um danach endlich das zu tun, was ich eigentlich immer wollte: schreiben. An der Deutschen Journalistenschule lernte ich mein Handwerk und fing nach dem Volontariat bei der Münchner Abendzeitung und beim Reisemagazin Holiday (Burda Verlag) auch dort als Redakteurin an. Nachdem „Holiday“ 1997 eingestellt wurde, arbeitete ich bis 1999 freiberuflich für verschiedene Redaktionen (Globo, freundin, Marie Claire etc.), entdeckte parallel erst meine Begeisterung für Slam Poetry und dann fürs Bücherschreiben und schrieb an meinem ersten Roman. Das Milenniums-Silvester verbrachte ich bereits in Hamburg – eine Stadt, in der ich meine Wahlheimat fand, nicht erst, als ich später dort heiratete und zwei echte Hamburger Kinder zur Welt brachte. In den ersten Jahren in Hamburg arbeitete ich fest angestellt (zunächst bei Fit for Fun, später bei der „Petra“), um mich dann 2004 ein und für alle Mal selbständig zu machen. Auch deshalb, weil ich nur so meine vielfältigen Interessen vereinen kann: Journalismus, Roman, Kinderbuch, Hörspiel. Als Journalistin hat sich mein Focus immer wieder verschoben, aufgrund persönlichen Interesses und meiner Lebenssituation. Heute suche ich vor allem nach Themen, die Psychologie, Trends und gesellschaftlichen Wandel berühren – mal nachdenklich und kritisch, mal lustig und ironisch. Meine Hauptauftraggeber sind derzeit Brigitte, Barbara, Eltern und Eltern family.