Ziemlich beste Freunde – verstehen sich die Generationen ein bisschen zu gut?

Mein Text aus einem BRIGITTE-Dossier, Oktober 2017

Harmonie zwischen den Generationen macht Loslassen für beide Seiten schwer. Wenn 20-somethings noch zu Hause wohnen und erwachsene Mutter-Tochter-Duos Klamotten tauschen – Grund zur Freude oder Grund zur Sorge?

Es ist Sonntag, ein strahlender Tag in Berlin, als die Nachricht ihrer Tochter auf dem Handy aufpoppt: „Hey Mama, Lust auf einen Bummel im Schlosspark?“ Mama nimmt das Telefon und beginnt zu tippen: „Sorry, Schatz, ich kann nicht, ich hab ein Date.“ Und fragt sich gleichzeitig: Ist das nun rührend oder auch befremdlich, wenn sich ihre 22jährige an einem solchen Tag nichts Schöneres vorstellen kann, als mit Mama spazieren zu gehen? Marie wiederum ist gerade mit einer Freundin unterwegs, die ganz neidisch aufs Display schielt: „Du hast es gut, ich wünschte, meine Mom wäre auch so unabhängig.“

Maries coole Mom heißt Gerlinde Unverzagt, Autorin, alleinerziehend, vier Kinder in den Zwanzigern. Als Marie, die Zweitjüngste, nach einem Auslandsaufenthalt ganz selbstverständlich wieder ihr altes Kinderzimmer bezog, fing Unverzagt an, sich Gedanken zu machen über das Verhältnis zwischen Jüngeren und Älteren. Länger zusammen wohnen, häufiger zusammen feiern, sich gegenseitig T-Shirts leihen – ist das nur die logische Fortsetzung einer liebevollen Kindheit? Oder ist doch irgendetwas faul an dieser Harmonie? In ihrem aktuellen Buch („Generation ziemlich beste Freunde – warum es heute so schwierig ist, die erwachsenen Kindern loszulassen“, Beltz, 16,95 €) hat sie Fragen und Antworten zusammengetragen, Tochter Marie einige Kapitel aus ihrer Sicht ergänzt.

Sicher ist: Erwachsene Kinder und ihre Eltern stehen sich heute näher denn je – und das auf vielen Ebenen. Zum einen räumlich: War 1970 jeder Zweite im Alter von 20 Jahren zu Hause ausgezogen, lebt heute jeder Dritte in der Altersgruppe 25 bis 34 immer noch oder wieder im Elternhaus – zwei Drittel davon Männer. Das hat zum Teil praktische Gründe: Warum explodierende Großstadt-Mieten für WG-Zimmer oder Appartement auf sich nehmen, wenn man’s zu Hause billiger haben kann, inklusive Wäsche-Service und Catering made by Mama? Dazu kommen gestiegene Ansprüche. Unverzagt erinnert sich: „Ich habe mit Anfang 20 in einem besetzten Haus gewohnt, mit Apfelsinenkisten als Möbeln. Meine Kinder erwarten zum Auszug Power-Shopping bei Ikea!“

Das passt zum Befund der aktuellen Shell-Jugendstudie, die jungen Erwachsenen das Label „pragmatische Generation“ verpasst – aber es geht nicht nur um nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung. 90 Prozent aller Jugendlichen geben an, sie hätten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Eine Mehrheit wie auf DDR-Parteitagen. Fast drei Viertel würden ihre eigenen Kinder so erziehen, wie sie es selbst erlebt haben, ein Wert, der seit Anfang der Nuller Jahre stetig gestiegen ist. Andere Sozialwissenschaftler kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Laut einer Untersuchung der TU Chemnitz bespricht jede zweite junge Frau regelmäßig persönliche Dinge mit ihrer Mutter.

Wer den nackten Zahlen misstraut, muss nur mal bei einer beliebigen TV-Casting-Show einschalten: Kaum etwas wird so tränenreich inszeniert, wie wenn Mama und Papa im Model- oder Musiktrainingscamp zu Besuch kommen. Ein verwunderliches Ritual für alle, die in den Achtzigern und Neunzigern jung waren: Da wäre man eher im Boden versunken, als vor laufender Kamera den Alten um den Hals zu fallen. Aber damals wäre Eltern auch weder auf die Idee gekommen, Zehnjährige auf dem Schulweg zu begleiten und Erstsemester-Studenten zur Studienberatung – beides heute gang und gäbe.

Möglicherweise ist die neue Nähe auch Ausdruck des Zeitgeistes, der Renaissance des Wir-Gefühls. Ob „Public Viewing“, „Sharing Economy“ oder skandinavische „Hygge“-Gemütlichkeit: Anders als in früheren, mega-individualistischen Zeiten sehnen wir uns in der wackligen Welt von heute generationenübergreifend nach Zusammengehörigkeit, Berechenbarkeit, Beschaulichkeit. Es mag Zufall sein oder auch nicht, dass die Anzahl der erwachsenen Kinderzimmer-Bewohner seit den frühen Nuller Jahren rasant angestiegen ist – dem Zeitpunkt, als das Nine-Eleven-Attentat eine Zeitenwende markierte, von der Spaßgesellschaft zum neuen Bedrohungsgefühl. Unverzagt findet das Zusammenrücken nachvollziehbar, sieht es aber trotzdem kritisch: „Das Wort ‚Familie’ hat heute einen unangenehmen Pathos bekommen. Da schlagen konservative Werte mit voller Wucht zurück.“

Überhaupt gibt es einiges an der aktuellen Entwicklung, das Gerlinde Unverzagt Bauchschmerzen bereitet. Nicht mal so sehr die Bequemlichkeit der Jüngeren, mehr noch die Bedürftigkeit der Älteren. „Kinder haben ist für viele Menschen heute ein zutiefst narzisstisches Projekt geworden“, glaubt Unverzagt. Sie selbst sei als Kind eher „so mitgelaufen“, während Kinder und Jugendliche heute gewissenhaft gefördert würden – vom Zwergen-Musikkurs bis zum „Gap Year“ in Südostasien nach dem Abitur. Eine Investition, von deren Früchten man dann auch profitieren möchte. Das muss gar nicht so weit gehen wie bei den Society-Müttern der New Yorker East Side, die von ihren Ehemännern finanzielle Boni für Schulnoten der Teenager erhalten. Als wäre das Kind ein Investment-Fonds und sein Erfolg eine mütterliche Management-Aufgabe. Auch ganz durchschnittliche Mittelklasse-Teilzeitjob-Mütter in Deutschland seien nicht immun gegen diese Schräglage, glaubt Unverzagt: „Obwohl die weibliche Berufstätigkeit heute viel verbreiteter ist als noch vor einer Generation, betrachten Frauen vor allem ihre Kinder als sinn- und identitätsstiftend – und ertragen es dann nicht, wenn an diesem zentralen Punkt eine Leere entsteht.“

Denn dann müsste man sich ja unangenehmen Fragen stellen: Wie steht’s um meine Partnerschaft? Was macht mein Leben sonst noch aus? Oder, verschärft noch bei Alleinerziehenden: Wie gehe ich mit dem Gefühl des Verlassenseins um? Des sichtbaren Älterwerdens? Die Alternative ist verlockend: erwachsenen Kindern zu Hause alle Annehmlichkeiten bereiten, inklusive gemeinsamer Partys und Fernsehabende plus launiger WhatsApps zwischendurch, und daraus die Gewissheit ziehen: Hey, ich bin vielleicht 30 Jahre älter, aber innerlich genau so jung und cool! Der Satz einer Single-Mutter aus einer TV-Doku ist Unverzagt besonders unangenehm im Gedächtnis geblieben: „Mein Sohn ist der Mann meines Lebens – eine solche Aussage grenzt für mich an emotionalen Missbrauch!“

Die Psychotherapeutin und Entwicklungspsychologin Christiane Wempe aus Ludwigshafen sieht die Dinge ähnlich wie Unverzagt – allerdings weniger dramatisch. „Dies Nicht-Loslassen-Können, diese Rollenumkehr, das betrifft eher ein bestimmtes, großstädtisches Bildungsmilieu, nicht die Gesellschaft als ganzes. Generell kann man aber sagen: Ablösungsprozesse sind heute etwas stärker gepuffert, nicht mehr so radikal.“ Das hat zum einen mit modernen Medien zu tun: Wenn man vor 20 Jahren halbherzig versprach, auf Interrail-Tour einmal die Woche eine Telefonzelle aufzusuchen, sind heute Eltern per Messenger-Dienst täglich im Bilde, was Mäuschen in Jakarta oder Hanoi gefrühstückt hat. Die Mütter genauso wie die Väter, die heute oft sehr viel mehr Anteil nehmen am Alltag ihrer Kinder. Aber auch Lebensläufe sind weniger planbar. Abi mit 19, Zivildienst, Studium plus WG-Zimmer – das ist total Neunziger. Moderne Geschichten klingen eher so: Abschluss mit 17, ein Jahr Work-and-Travel, mit 18 erstmal wieder zurück nach Hause und um einen Studienplatz bewerben. Die Wohnsituation allein ist für Christiane Wempe kein Gradmesser für Autonomie: „Wir haben in einer Studie über den Auszug aus dem Elternhaus sowohl Befragte gehabt, die bei ihren Eltern wohnen, aber selbständig ihre Angelegenheiten regeln, als auch solche mit eigener Wohnung, deren Mütter dort wöchentlich zum Putzen vorbeikamen und andere Dinge regelten. Wer von denen ist erwachsener?“

Einig sind sich alle Experten: Innere und äußere Unabhängigkeit sind ein wichtiger Entwicklungsschritt für die Jüngeren – genau so wie das Loslassen für die Älteren. Dass das ein schmerzhafter Prozess sein kann, so wie jede Veränderung, bestreitet keiner. Oft sind es kleine Rituale, die den Übergang erleichtern. „Als mein ältester Sohn auszog, hatten wir im ersten halben Jahr eine Verabredung: Ein Mal pro Woche kommen alle gemeinsam zum Essen.“, erinnert sich Unverzagt. Vor allem aber empfiehlt sie Eltern, sich beizeiten mit dem auseinander zu setzen, was unabwendbar vor ihnen liegt: „Dort, wo Kinder sich aus dem eigenen Leben zurückziehen, die Freiräume mit eigenem aufzufüllen – das ist eine gute Vorübung.“ Fängt an beim ersten Kneipenbummel nach Ende der Baby-Stillzeit, geht weiter mit dem ersten Urlaub ohne Kinder, wenn die lieber auf Partytour nach Spanien wollen als auf Kulturreise ins Baltikum. Eine Leere, ja – aber eine, die Platz bietet für neue Inhalte: wieder Zeit haben für den Partner, Gas geben im Job, Freiräume für Freundschaft, Hobbys, Reisen. Schließlich sei es etwas fundamental anderes, ob eine Liebesbeziehung zerbricht oder ein erwachsenes Kind flügge wird, findet Unverzagt: „Die Tochter, der Sohn geht – und liebt uns trotzdem weiter.“

Marie, übrigens, bewirbt sich gerade um einen Studienplatz. Die Fachrichtung ist klar, der Studienort noch nicht. Mit einer Ausnahme: Berlin, findet Marie, geht gar nicht.

 

Facebook zum Anfassen: Blind-Dates mit online-Freunden

Facebook ist ein Ego-Schaufenster – aber wer sind die Menschen dahinter wirklich? Gibt es wahre Freundschaft online? Und was passiert eigentlich mit der Verbindlichkeit in Zeiten ständiger Vernetzung? Für die BARBARA war ich im Herbst 2015 unterwegs, um Leute im wahren Leben zu treffen, die ich vorher nur online kannte.

„Tanzt du?“, will Bruno wissen. Vor uns stehen zwei Gläser Weißwein und eine Platte Antipasti, draußen vor dem Restaurantfenster fegt der Wind über den Kirchplatz von Bad Kreuznach, und ich lasse mir Zeit mit der Antwort. Gute Frage. Noch könnte ich fast alles sein, Tänzerin oder Nicht-Tänzerin, Frühaufsteherin oder Langschläferin, Rucksackreisende oder Grand-Hotel-Geschöpf. Bruno kennt ja nur einen kleinen Ausschnitt meines Lebens. Mein digitales Schaufenster, von mir selbst dekoriert. Gilt auch umgekehrt. Dabei sind wir schon seit zwei Jahren befreundet, Bruno und ich. Behauptet jedenfalls Facebook.

Dass ich an diesem Dienstag fast 600 Kilometer durch Deutschland gefahren bin, um mit ihm eine Doppelportion Mozarella und eingelegte Auberginen zu essen, hat keine romantischen Gründe. Beziehungsstatus: In festen Händen, er wie ich. Trotzdem bin ich nach knapp fünf Jahren im Social-Media-Land neugierig geworden. Etwa die Hälfte meiner 489 Facebook-Kontakte ist zustande gekommen wie der unsere: Kommentar auf den Post eines gemeinsamen Bekannten, ein Like, eine Antwort, eine Freundschaftsanfrage. Von manchen höre ich nie wieder etwas, andere sind in meinem Alltag gegenwärtig wie Nachbarn oder Kollegen. Früher war die Teeküche im Büro mein Soziales Medium, aber da ich seit Jahren hauptsächlich im Home Office arbeite, haben Facebook und Co das übernommen. Wie wäre es, ein paar der Menschen zu treffen, die ständig dort herumstehen? Die mir vertraut scheinen, obwohl ich ihre Stimme noch nie gehört habe, ihre Handschrift nicht kenne, und ihr Gesicht nur so, wie sie es selbst der Welt zeigen? Im Netz ist jeder der Regisseur seines eigenen Lebens, Kameramann und PR-Beauftragter. Ich möchte das ganze Bild, inklusive „deleted scenes“. Wohl wissend, dass ich mich umgekehrt genau so nackig mache.

Vier Online-Bekannte habe ich angeschrieben, ob sie Lust haben auf das Experiment, alle hatten spontan Lust, drei davon auch Zeit. Dumm nur: Das erste Date ist schon geplatzt, während ich gerade mal südlich von Hamburg am Maschener Kreuz im Stau stehe. Dafür gibt’s kein Like, und es ist meine Schuld – auch wenn ich es gerne auf die böse Multitasking-Kultur im Netz schieben würde. Vier parallel geöffnete Chat-Fenster, und bei einem habe ich mich im Datum vertan. Deshalb hat Greta an diesem Vormittag umsonst in einem Frühstückscafé in Köln gewartet und mir besorgte Nachrichten auf mein Smartphone geschickt. Auf Twitter bekäme das den Hashtag #EpicFail. Im wahren Leben gelte ich als beinahe pathologisch pünktlich und zuverlässig. Macht Facebook mich zum Freundschafts-Nerd?

Immerhin: Bei meiner Abendverabredung mit Bruno stimmen Zeit und Ort. Im Netz ist er ein Frauenversteher. Ein Gefühlsmensch, der gern Bonmots über die Liebe postet. Ein freundlicher Buddha mit Hipster-Brille. Auch: Einer, der sich ganz gerne reden hört. Stört mich das? Ach was. So völlig ohne Hang zur Selbstdarstellung ist wohl keiner, der vom Social-Media-Virus angesteckt wird. Da kann ich mir auch an die eigene Nase fassen. Die Frage ist eher: Hält der offline-Charme, was er online verspricht? Dass wir sofort ins Plaudern kommen und auf dem 5-Minuten-Fußweg von seinem Büro zu seinem Lieblings-Italiener bereits VW-Krise, Wohnungspreise in Hamburg und im Rheinland sowie gemeinsame Facbook-Bekannte abgehakt haben, überrascht mich nicht. Sondern etwas anderes: wie viel es doch ausmacht, was der Körper erzählt, jenseits der geschriebenen Sprache. Bruno sieht zwar exakt so aus wie auf seinem Profilfoto, mit Werberbrille und Buddha-Bäuchlein, wirkt dabei aber trotzdem jünger, beweglicher, lebhafter. Nicht gar so weise, dafür nahbarer. Ein Mann, der tanzt – auch über 40 und jenseits des perfekten Body Mass Index. Genau wie ich, übrigens. Wir verabreden, dass wir mal zusammen ausgehen, wenn er geschäftlich in Hamburg ist. Zehn Minuten später stellen wir fest, dass wir beide in einer Familie mit starken Frauen und abwesenden Vätern aufgewachsen sind.

Aber sich über einen halben Liter Chardonnay seine Lebensgeschichte erzählen, garniert mit etwas Hobby-Psychologie, ist das nun der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn was heißt das in digitalen Zeiten? Stammt diese Trennung – wahre, analoge Seelenverwandtschaft hier, oberflächliche Online-Bekanntschaft da – nicht aus dem simplen Weltbild von Kulturpessimisten, die Computer schon in den 80er Jahren bäh fanden? Wie fast überall im Leben gilt: It’s complicated. Auch wir Forty-Somethings hatten ja schon immer beides: einen kleinen Kreis echter Vertrauter, bei denen man ungestraft auch nachts um drei angeschickert und mit Liebeskummer vor der Tür stehen konnte. Und einen viel größeren Kreis aus Ex-Mitschülern, Interrail-Begegnungen, Lerngruppen-Mitgliedern. Nur, dass damals ständig Menschen aus diesem weiteren Kreis auf Nimmerwiedersehen verschwanden. Weil der Abreißzettel mit der Telefonnummer im Altpapier landete oder die WG-Adresse nicht mehr stimmte. Heute werden diese Kontakte höchstens zu elektronischen Karteileichen. Und sind manchmal auf einen Klick wieder zum Leben erweckt: Der große Blonde aus dem Deutsch-LK von 1988, der indische Yogalehrer von 2007. Ich hatte schon Visitenkarten in der Hand, auf denen nur noch Mailadresse und Twitter-Account vermerkt waren. Die sind heute oft dauerhafter als Postadresse oder Beziehungsstatus.

Es hat Vorteile, wenn keiner mehr verloren geht. Man muss nur aufpassen, dass diese Unverbindlichkeit des äußeren Kreises nicht einsickert in den inneren. Denn dann droht die Facebookisierung der persönlichen Beziehungen: Statt sich zum Geburtstag anzurufen, schicken sich langjährige Freunde rasche WhatsApp-Nachrichten, und bei wirklich Bad News gibt’s einen weinenden Emoji. Schluck. Umgekehrt hat mir Facebook bisweilen erstaunlich profundes über Menschen verraten, von denen ich immer dachte, dass ich sie in- und auswendig kenne. Kontroverse politische Ansichten, die ich im Kneipengespräch lieber umschiffe. Oder völlig ironiefreie Begeisterung für Katzenbilder. So werden Facebook & Co immer wieder zu menschlichen Abenteuerspielplätzen inklusive Abgründen. Und analoge Freundschaften können digital scheitern.

Das schöne an reinen Online-Begegnungen ist: Im Netz lerne ich ständig Menschen kennen, die ich sonst niemals getroffen hätte. Höchstens im ICE-Bistro. Andere Jobs, andere Orte, viel jünger, viel älter – oft ist es nur eine einzige Überschneidung, die uns online verbindet. Kinder, zum Beispiel. Deshalb bin ich auch auf Facebook mit Ines befreundet. Die lebt in Castrop-Rauxel, ist 15 Jahre jünger als ich und macht beruflich nichts mit Medien. Wie erfrischend. Mittwoch mittags um eins komme ich bei ihr zu Hause an. Mit ihrer entzückenden, einjährigen Tochter Henriette und ihrem Mann Marko wohnt Ines in einer Neubausiedlung mit Reihenhäuschen, die so modern, praktisch und freundlich aussehen, als könnte man sie samt Einrichtung bei Ikea kaufen. Ein Leben, in dem alles passt, auch das Drumherum: das abstrakte Gemälde, farblich abgestimmt auf das Sofa, die Fotogalerie an den Wänden, mit Hochzeits- und Babybildern ab der ersten Ultraschall-Aufnahme, das Retro-Muster auf Henriettes Kleidchen und auch, dass zwischendrin der Schwiegervater mit einem Fünferpack neuer Söckchen für seine Enkelin hereinschneit, genau so fröhlich und herzlich wie Ines selbst. Harmonisch, zufrieden, aufgeräumt – das schaffe ich in meinem Leben und meiner Wohnung lange nicht immer. In diesem Punkt sind wir wohl verschieden.

Trotzdem hat unser Treffen etwas sehr vertrautes. Liegt es an Ines’ rheinischer Unkompliziertheit, an unserer gemeinsamen Online-Geschichte, unserem gemeinsamen Thema, oder ist es alles zusammen? Umarmung zur Begrüßung, bei einer Tasse Tee dann gleich dieser freundlich interessierte Eltern-unter-sich-Ton: Mensch, Ines, das sind ja tolle Nachrichten, du bist wieder schwanger? Wow, Henriette isst ja freiwillig Blaubeeren, meine beiden sind solche Obsthasser, schlimm. Muttersein verbindet – vor allem, wenn beide Seiten nicht zu der Sorte gehören, die Glaubenskriege über die richtige Tragehilfe oder die perfekte Schulform anzettelt. Da ticken sie und ich dann wieder völlig gleich. Mütter-Parlando wird oft sehr schnell privat, inklusive blutiger Geburts-Details. Ob das auf Facebook passiert oder auf dem Spielplatz, ist eigentlich egal. In den letzten zehn Jahren habe ich viele solche Gespräche geführt. Was davon bleibt, ob aus der glücklichen Schicksalsgemeinschaft echte Freundschaft wird, das merke ich in meinem Offline-Umfeld aber erst jetzt, da meine Kinder größer werden. Und die Frauen um mich herum wieder mehr spüren, was sie sonst noch ausmacht. Ich frage mich, worüber mein 30jähriges Ich mit Ines geredet hätte, damals Single und kinderlos. Oder worüber wir uns in zehn Jahren austauschen werden.

So lange wird es aber wohl nicht dauern, bis ich wieder in ihre Gegend komme. Schon wegen Greta. Die hat nämlich eine Frühstückseinladung in Köln bei mir gut. Hat zwar nicht geklappt mit dem Kennenlernen, die erste Krise haben wir aber gut gemeistert, finde ich. Ganz old school, mit einer ehrlichen Entschuldigung, die ich unbedingt am Telefon loswerden musste, vom Autobahnparkplatz aus, und nicht per Direktnachricht. „Aber schreib das unbedingt in deinen Text mit der verpatzten Verabredung“, hat sie gesagt und gelacht, „das ist doch typisch Facebook!“ Mach ich, Greta. Die verschwendete Stunde im Café? „Ach was, verschwendet, ich hab immer Ideen im Kopf und etwas zum Schreiben dabei.“ Kenne ich, denke ich. Fünf Minuten am Telefon, und es fühlt sich an, als hätten wir noch deutlich mehr gemeinsam. Greta und ich – ich glaube, wir sind da einer heißen Sache auf der Spur.

Heldinnen der Arbeit – ein Programm schafft Job-Perspektiven für junge Mütter

Jung, alleinerziehend und ohne Ausbildung: Das sind schwierige Startbedingungen für Mütter. Ein Förderprogramm macht sie fit für den Arbeitsmarkt und unabhängig von staatlicher Unterstützung. Aber der Weg dorthin ist oft hart – auch für die Kinder. Fürs ELTERN-Magazin habe ich im Dezember 2016 mehrere von ihnen besucht.

 Neulich, beim Abholen aus der Kita. „Mama?“ „Ja, Leon?“ „Mama, heute laufen wir ganz, ganz langsam nach Hause.“ „Bist du müde, mein Schatz?“ „Mama! Du bist müde.“ Mareike (25) lächelt gerührt, als sie von der Unterhaltung mit ihrem Sohn erzählt: „Leon spürt immer ganz genau, wie es mir geht. Und er sieht mir an, wenn ich nach der Arbeit kaputt bin.“ Bei einem schnellen Mittags-Cappuccino im Einkaufszentrum zeigt sie auf dem Smartphone Fotos von ihrem Dreieinhalbjährigen. Ein Blondschopf mit mehlverklebten Händchen beim Keksebacken. Idyllische Momentaufnahmen aus einem Alltag, der viel verlangt von Mutter und Kind. Aber der auch eine Erfolgsgeschichte erzählt. Die Geschichte einer neuen Chance.

Seit fünf Monaten ist Mareike Auszubildende beim Hamburger Malerbetrieb Antosch. Das heißt: morgens um viertel nach sechs zur Arbeit antreten, Decken verspachteln, über Kopf mit einer kiloschweren, motorbetriebenen Schleifmaschine hantieren, oder draußen bei Wind und Wetter Fassaden streichen. Ein Knochenjob für die zarte Erdbeerblonde mit den coolen Sneakers, die ihren Sohn allein erzieht. Aber auch eine Art Traumjob. „Ich mag es, wenn ich das Ergebnis meiner Arbeit sehen kann. Wenn ich am Ende des Tages sagen kann: Dieser olle Heizkörper, der jetzt wieder glänzt wie neu, das ist mein Werk.“ Für Leon heißt das: Frühstück mit der Tagesmutter, Kindergarten von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends, fünf Tage pro Woche. Es heißt aber auch: eine Mutter, auf die man verdammt stolz sein kann. „Immer, wenn wir auf einer Baustelle Handwerker sehen, zupft er aufgeregt an meinem Ärmel: Mama, sowas machst du doch auch!“ Mareikes Fernziel: der Meisterbrief. Und die wenige gemeinsame Zeit mit ihrem Kind? „Klar, das ist schon manchmal hart“, sagt sie. „Aber dafür genießen wir die Wochenenden jetzt doppelt, unternehmen viel. Früher hatte ich mehr Zeit, aber war auch antriebsloser.“

Es gibt viele solche Frauen. Mit niedrigen Schulabschlüssen, jung auf das Abenteuer Kind eingelassen, häufig wieder Single, mit schlechten Karten auf dem Arbeitsmarkt. Mareike hatte nach einem Hauptschulabschluss gerade eine Ausbildung in einer Bäckerei abgebrochen („arbeiten war einfach nicht meins“), als sie von ihrem damaligen Freund schwanger wurde. Aber von solchen Frauen ist selten die Rede, wenn es um das Thema „Kinder und Karriere“ geht, in Talkshows, Konferenzen oder Leitartikeln. Da wird über Home-office-Lösungen für Eltern diskutiert, oder die Frage, ob ein Baby Karriereschritte verzögert. Mittelstandsprobleme.

Anders ist das bei der deutschlandweite Initiative „Joblinge“, die Mareike bei ihrem Neustart unterstützt. Ein Startup, vor zehn Jahren gegründet, um Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Hier finden junge Männer und Frauen Hilfe, die bisher keinen Zugang zu regulären Jobs gefunden haben: etwa, weil das eigene, kaputte Elternhaus nicht den nötigen Rückhalt bietet, oder weil andere Wendungen im Leben bisher alle Energie in Anspruch genommen haben – etwa die Geburt eines Babys. Wer bei den „Joblingen“ landet – meist auf Vermittlung des Jobcenters – , bekommt hier eine neue Chance: einen Vorbereitungskurs mit Bewerbungstraining, Auffrischungskurse in Kernfächern wie Rechtschreibung und Rechnen, Unterstützung bei der Suche nach Praktika und einer Lehrstelle. Für sieben von zehn Teilnehmern eine Geschichte mit Happy End, sie bekommen am Ende einen Ausbildungsvertrag.

Ein Drittel der so Geförderten sind Frauen, und fast in jedem der Vorbereitungskurse sitzen auch ein, zwei Mütter wie Mareike, meistens alleinerziehende. Doppelt schwer vermittelbar? Simon Busch und Helen Dähne aus der Hamburger Niederlassung sehen’s positiv: „Mütter sind meist sehr viel focussierter, strukturierter, wissen genau, was sie wollen.“ Denn ein Leben mit Kind erfordert Organisations-Qualitäten: U-Untersuchungen planen, Kitaplatz beantragen, neue Gummistiefel kaufen. Wer so gefragt ist, verdaddelt seine Tage kaum mit Online-Games auf dem Sofa. Die wenigsten Frauen in „Joblinge“-Maßnahmen haben ihre Kinder geplant – aber Wunschkinder sind sie dennoch. „Eine eigene Familie, ein Zuhause, ein Stück heile Welt, davon träumen fast alle unsere Schützlinge. Aber es ist ihnen auch wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen. Dabei sind sie hochmotiviert, weil sie nicht nur für sich kämpfen, sondern auch für ihren Nachwuchs“, erzählt Busch. Haben sie eine Ausbildung, ziehen sie die auch durch.

Dieser Drive macht sie zu exzellenten Bewerberinnen für Handwerk, Einzelhandel oder Büro-Management – eigentlich. Das sehen aber längst nicht alle Arbeitgeber so. Auch Malerlehrling Mareike musste um ihren regulären Ausbildungsplatz kämpfen – ihr Chef hätte lieber nochmal das unbezahlte Praktikum verlängert. „Er hat mich richtiggehend getestet“, erzählt sie. „Einmal hat er mir absichtlich kurzfristig einen Nachmittagstermin gegeben um zu sehen, wie ich das von jetzt auf gleich mit Leon organisiere.“ Spontan sprang Mareikes Mutter ein, Meister Antosch war beeindruckt: „Kurz danach hatte ich seine Zusage.“ Und die Kollegen? „Es gibt solche und solche. Manche bewundern mich für mein Durchhaltevermögen. Von anderen kommen auch mal Sprüche wie: ‚Selbst schuld, dass du so früh schwanger geworden bist, deshalb hast du hier keine Sonderrechte.“ Mareike zuckt mit den Achseln: „Das ist halt so auf der Baustelle, da geht es mal unter die Gürtellinie. Da brauchst du als Frau ein dickes Fell.“

Das weiß auch Jennifer (24). Sie ist nach Mareike zu den „Joblingen“ gestoßen, besucht im Moment noch die Vorbereitungsgruppe und schreibt Praktikumsbewerbungen. An einem Montag vormittag sitzt sie im Seminarraum in einem Eckbüro in Hamburg-Hammerbrook mit Blick auf eine S-Bahn-Trasse, und erzählt ihre Geschichte. Eine Geschichte von geplatzten Träumen, aber auch von Mut und Zuversicht. Die Kurzversion: knapp am Fachabitur gescheitert, auf Reisen gewesen, gejobbt, verliebt, plötzlich der positive Schwangerschaftstest. „Ich wusste genau, was das für mein Leben heißt, aber mir war auch klar: Ich stelle mich dieser Verantwortung, und ich bin auch bereit, auf einiges zu verzichten.“ Ausgehen, shoppen, persönliche Freiheit. Jetzt ist ihr Sohn zwei, die Liebe hat nicht gehalten, aber immerhin hat Luis-Aslan einen engagierten Vater. Und Großeltern, die sich mit um ihn kümmern.

Jennifer würde gerne eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten machen, oder bei der Polizei. Den nötigen Realschulabschluss hat sie, aber dennoch landen ihre Bewerbungen immer wieder ganz unten auf dem Stapel: „Wenn Arbeitgeber erfahren, dass man ein Kind hat, läuten bei denen gleich die Alarmglocken.“ Laut sagt das aber keiner, erzählt Jennifer. „Ich habe mal einen Personaler angerufen und ihm ins Gesicht gesagt: Ich nehmen Ihnen die Gründe für die Ablehung nicht ab. Der hat schließlich zugegeben: Allein die 20 Krankentage fürs Kind, die mir als Single-Mutter pro Jahr zustehen, würden ihn abschrecken.“ Susanne Linardatos, die das Vorbereitungsseminar leitet, ärgert sich über solche Geschichten: „Ich würde mir mehr Solidarität wünschen gegenüber Müttern, auch von Seiten der Arbeitgeber. Stattdessen wird die Verantwortung einseitig den Frauen zugeschoben, als wäre ein Kind eine reine Privatangelegenheit. So wie ein exotisches Hobby.“ Nur in wenigen Branchen werden weibliche Azubis mit Nachwuchs gern genommen, etwa in Pflegeberufen. Weil sie ein Plus an Empathie und Verantwortungsbereitschaft mitbringen – aber eben auch, weil dort händeringend Nachwuchs gesucht wird, der bereit ist, einen schlecht bezahlten, körperlich wie seeelisch belastenden Job anzutreten.

Wichtig für die jungen Mütter sind nicht nur Arbeitgeber, die bereit sind, ein Stück gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch ein gutes Netzwerk, weiß Joblinge-Mitarbeiter Simon Busch: „Wenn die eigene Familie mit am gleichen Strang zieht, ist das schon die halbe Miete.“ Die Realität sieht oft anders aus, sagt er: „Häufig ist da einen Oma im Hintergrund, die verständnislos reagiert: Du musst doch für dein Kind da sein, was willst du mit einer Ausbildung?“ Manchmal scheitert der Job-Einstieg auch an eigener Zerrissenheit: Da lehnt schon mal eine Kandidatin einen Ausbildungsplatz ab, weil sie im Schichtdienst ihr Kind nicht mehr jeden Abend selbst ins Bett bringen könnte. Schlimmstenfalls kämpfen die Teilnehmerinnen an drei Fronten: Mit den eigenen Eltern, dem Ex-Partner und dem Arbeitgeber.

So gesehen hat Anna (24) doppelt Glück gehabt. Ihre Eltern und ihre Schwester sind für sie da, ihre Beziehung ist nach einer Zeit der Trennung jetzt wieder intakt. Annas Freund ist Busfahrer, so dass die beiden sich Job und Familienarbeit meistens gut aufteilen können – er im Schichtdienst bei den Hamburger Verkehrsbetrieben, sie seit einigen Monaten als Azubi in Teilzeit bei der Drogeriemarktkette Budni. Allerdings haben er und Anna auch doppelt zu tun: Sie sind Eltern von Zwillingen, Jeremias Noel und Jayden Elias, vier Jahre alt. Noch ein Doppel-Glück, und einer der Gründe, warum es mit einer Lehrstelle nicht gleich nach dem Schulabschluss geklappt hat. Sabine Schuldt, Annas Ausbilderin in der Volksdorfer Filiale, hat das bei der Bewerbung nicht abgeschreckt: „Schon als Anna bei uns ihr Praktikum machte, haben wir gemerkt: Das ist eine junge Frau, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Das hat uns überzeugt.“ Und wenn Anna mal am Limit ist, die Kinder krank sind, die Nacht kurz war? „Dann nehme ich sie beiseite, suche ihr eine weniger anstrengende Aufgabe, setze sie zum Beispiel an die Kasse, wenn nicht viel los ist. Dafür weiß ich: Wenn viel zu tun ist, packt sie auch extra mit an. Das ist ein Geben und Nehmen.“

Annas freundliche und mütterliche Art kommt gut an. Einfühlsam hilft sie einer älteren Dame mit Rollator an der Kasse, berät eine andere beim Handcremekauf, räumt zwischendrin ein Regal um. Aber hinter der sanften Fassade steckt auch eine Person mit neuem Stolz und Selbstbewusstsein: „Freunde sagen zu mir: Wir erkennen dich gar nicht wieder, du warst immer so schüchtern, jetzt haust du auch mal richtig auf den Tisch! In der Lehre habe ich gelernt, zu verhandeln und mich durchzusetzen. Schon, weil ich sonst zu oft auf den unbeliebten Abendschichten sitzen geblieben wäre.“

Eine harte Schule. Dabei könnte es Anna leichter haben: das Gehalt ihres Freundes plus 450-Euro-Job, damit würde die Familie klarkommen. Dann könnte sie jeden Abend den Kinder vorlesen, müsste morgens nicht aus dem Haus, wenn eines krank ist. Verlockend? Ja, aber, sagt Anna: „Ohne Ausbildung erreicht man nichts im Leben, und ich möchte nicht abhängig sein. Weder vom Staat, noch von einem Mann.“ Eine Frau mit klaren Zielen: Ausbildung abschließen, ein fester Job, ein Vorbild sein für ihre Kinder. Die Hilfe der „Joblinge“ wird sie bald nicht mehr brauchen.

 

Wer sind die „Joblinge“?

Aus dem Integrations-Projekt einer Stiftung und einer großen Unternehmensberatung entstand 2007 ein Startup, das heute über ein breites Unterstützer-Netzwerk mit 1500 Partnerunternehmen und 1300 ehrenamtlichen Mitarbeitern verfügt. Finanziert werden die Förderprogramme von der öffentlichen Hand und aus Spendengeldern, deutschlandweit gibt es derzeit 23 Niederlassungen. Info: www.joblinge.de

Mütter und Bildung: mehr Durchstarter, mehr Abgehängte

Wir werden immer schlauer – wenigstens auf den ersten Blick. Während vor 20 Jahren knapp über die Hälfte der Frauen in Deutschland (mit und ohne Kinder) einen Hauptschulabschluss hatte und nur 14 Prozent Abitur, erreichen heute 23,5 Prozent die Hochschulreife und nur 37,2 den niedrigsten Abschluss. Dafür hat sich die Quote der Frauen ganz ohne Abschluss in der gleichen Zeit fast verdoppelt: von 2,7 auf 4,3 Prozent.

Single-Väter: die Belastung kommt von innen

Später Jobeinstieg und Kinder – nur ein Thema für Mütter? Nein, sagt Simon Busch von den Hamburger „Joblingen“: „Immer wieder sind auch junge Väter in unseren Gruppen, aber deren Belastung ist eher eine psychische als eine praktische – häufig fließt viel Zeit und Energie in Sorgerechts- und Unterhalts-Streitigkeiten. Den Alltag der Kinder müssen sie in der Regel aber nicht organisieren, das wird an die Mütter delegiert.“