Neu ab Sommer 2017: die Hörspiel-Serie „Schlau wie Vier“

Texte schreiben? Kann ich! Und meine Kollegin Alex Frank vom Kindermedienbüro kann das auch. Aber Texte zum Klingen bringen? Ein Skript schaffen, das erst durch Sprecherstimmen, Toningenieure, Komponisten so richtig zum Leben erwacht? Das gleichzeitig spannend und lebendig ist und dabei Kindern im Grundschulalter Wissen vermittelt über Themen, die sie faszinieren – ob Dinosaurier oder Wildpferde, ob Altes Ägypten oder das Weltall? Und noch mehr als das: sorgsam recherchiert, von Experten gecheckt, spielerisch vermittelt? Anfang 2016 haben Alex und ich diese spannende Aufgabe übernommen und nach einer Idee von Hilla Fitzen, Redakteurin in der Kinder-Hörspielsparte von Sony Music, ein Konzept entwickelt, uns Figuren und Geschichten ausgedacht.

Das Ergebnis ist die neue Serie „Schlau wie Vier“. Und schlau, das sind sie wirklich: die Zwillinge Pia und Lisa, deren Universalerfinder-Mutter ihnen eine vermeintlich funktionslose Erfindung vermacht hat – den Navinauten, mit dem man durch Raum und Zeit reisen kann. Samir, dessen Piloten-Vater manchmal exotische Geschenke von seinen Reisen mitbringt, ohne zu wissen, auf welche Ideen die Kinder dadurch kommen – denn klammheimlich haben die Freunde in ihrem „Chillroom“ auf dem Dachboden längst herausgefunden, wie der Navinaut zu bedienen ist. Und Tobi, mutig und sportlich, der immer die besten Sandwiches dabei hat – schließlich ist seine Mutter nicht nur eine selbstbewusste Single Mom, sondern auch Kantinenköchin in der Grundschule Eulenstraße. Ob sie auch ein wenig zaubern kann?

Die ersten beiden Folgen  „Dinosaurier – der geheimnisvolle Knochen“ und „Wildpferde – Reise in die Mongolei“ sind im Juni 2017 erschienen, demnächst folgen Expeditionen ins Alte Ägypten und auf den Mars. Unsere vier Kinder (Alex: zwei Töchter, ich: eine Tochter und ein Sohn) tanzen und singen bereits den Titelsong mit. Reinhören? Das geht hier.

Meine Kinderbücher und ich: zum Vorlesen und Selbst-Lesen

Als ich mein erstes Kinderbuch schrieb, hatte ich noch nicht einmal Kinder. Aber ich war schwanger und hatte Lust auf eine Geschichte, die etwas über Freundschaft erzählt und über Loyalität, und in der manchmal Väter Butterbrote schmieren und Mütter Nachtschichten schieben, und die gleichzeitig etwas märchenhaft ist und auch nicht frei von Konflikten. Genau genommen so, wie sich das Familienleben später wirklich darstellte – aber das wusste ich noch nicht, als ich Mein Freund, der Drache 2006 bei Thienemann veröffentlichte (illustriert von der tollen Cornelia Haas). Als ich zwei Jahre später das zweite Kind erwartete, wusste ich schon eher, warum ich mir mein Thema ausgesucht hatte: Eifersucht zwischen Geschwistern, am Beispiel eines Elefantenmädchens, das am liebsten möchte, dass sein winzig kleiner Bruder einfach wieder verschwindet. Titel: Max Klitzeklein, illustriert von Susanne Dinkel.

Weil man sich als Mutter, als Eltern, machmal so fühlt wie die Protagonisten einer endlosen Serie mit verschiedenen Staffeln, freute ich mich dann auch sehr über das Angebot, eine kleine Buchserie über eine Mädchenfreundschaft zu schreiben. So wurden Lilli und Leonie geboren, zwei Drittklässlerinnen, die so verschieden sind – hier Patchwork, dort Vater-Mutter-Kind; hier Fußball spielen und St. Pauli, dort rosa Einhörner; hier Draufgängertum, dort Schüchternheit – , und trotzdem beste Freundinnen sind. Nach vier Bänden (erschienen zwischen 2010 bis 2011) wurde die Serie eingestellt, die Mädchen mag ich bis heute. Weil ich finde, dass weder Pink stinkt noch Schwarz, weder katholische Ehe noch Regenbogenfamilie, sondern weil Familienleben bunt ist und jede Lebensform ihren Platz hat. Jedenfalls: haben sollte.

Und ausgerechnet, als meine Kinder dann größer wurden, fing ich an, nochmal für ganz, ganz Kleine zu schreiben. Gemeinsam mit der Illustratorin Anna Karina Birkenstock entstanden zwei Bände der „Lesebären“-Reihe bei Thienemann, Vorlesebücher für Kinder ab drei. Meine Helden: Die Zwillinge Linda und Linus mit ihrem kleinen Baby-Bruder Mattis. Keine Vorzeigefamilie, bei denen alles glatt läuft, sondern eine Familie mitten aus dem Leben: ein bisschen chaotisch, immer irgendwie am Durchwursteln, manchmal am Rand ihrer Kraft, aber immer voller Liebe. Hier geht es zu „Bei Linda und Linus ist was los„, hier zum zweiten Band „Sommerspaß mit Linus und Linda.“ Der erste Band erschien 2016, der zweite 2017.

Neues aus der Schreibwerkstatt

Im Moment – Sommer 2017 – schreibe ich an einem neuen Roman. Das hier ist der Anfang.

I

Am siebten Morgen fing es an. Das Abrutschen, Absacken, die fast unmerkliche Schieflage.

Zunächst dachte Anna sich nichts weiter dabei und schrieb ihr Schwindelgefühl dem Haus zu, einem alten Haus, hineingebaut in den Steilhang von Taormina. Die Schlafzimmer ihrer Ferienwohnung waren düster, fensterlos und dem Berg zugewandt, nur die Terrasse eröffnete einen Seitenblick aufs Mittelmeer. Dieser Blick, der ins Bodenlose stürzte, über Sträucher, Terrassen, weiter unten über einen ungepflegten Fußballplatz, bis er in der Tiefe auf blau schimmernde Unendlichkeit prallte, die sich horizontlos mit dem Morgenhimmel verband. Dazu dieses wild wuchernde Grün auf Balkonen und über Grundstücksgrenzen hinweg. So als wäre die Natur bereits dabei, stillschweigend wieder einzunehmen, was Menschen ihr abgetrotzt hatten. Als würde die Natur heimlich eine lebendige Stadt in eine überwucherte Ruinensiedlung verwandeln, Zentimeter für Zentimeter, nachts vielleicht, wenn alles schlief.

Und dann dieser Duft, jeder Atemzug eine Mischung aus scharfem Putzmittel, Knoblauch und überreifen Orangen, der Anna schon bei der Ankunft vor einer Woche hatte schwindlig werden lassen. Weil er sie in jenen Frühling vor zwölf Jahren zurückversetzte, in dem die Insel beim Landeanflug vor ihr gelegen hatte, rosa und weiß geschmückt wie eine Hochzeitstorte. Und noch weiter zurück, in die süße, sorglose Zeit, in der ihr Leben noch in einen Campingrucksack gepasst hatte und ihre übersichtliche Zukunft auf ein Busticket aus Pappe.

All das zusammen war Grund genug, um ein wenig aus dem Tritt zu kommen, beschloss Anna. Wenigstens für eine Frau ihres Alters. Und vielleicht auch das dritte Glas Nero d’Avola vom Vorabend.

Aber der Gedanke war kein Trost.

Sie nippte am lauwarmen Milchschaum in ihrem Glas und warf einen prüfenden Blick auf ihre Kinder. Bruno sägte konzentriert an einem Stück Käse, die Haare am Hinterkopf aufgestellt, in jeder Bewegung Bereitschaft, es mit dem neuen Tag aufzunehmen. Um so mehr schien Judith zu spüren, dass etwas Seltsames vor sich ging. Sie starrte mit offenem Mund und ölig schimmernden Augen auf die Mosaiksteinchen des Esstisches, die eine gelb leuchtende Sonne bildeten, knabberte lustlos an einem Panino, und forderte mit künstlicher Babystimme einen Platz auf dem Schoß ihres Vaters. Jo ließ es zu, mit diesem Blick, den er nur für seine Tochter reserviert hatte, für diese Momente, in denen sie ihre Kleinkinderkarte ausspielte, den Prinzessinnentrumpf. Genervte Liebe, liebevolle Genervtheit.

„Erinnerst du dich, was ich gestern erzählt habe? Weißt du noch, was ein Amphitheater ist?“, fragte er sie. Judith verweigerte die Antwort, schob schmollend die Unterlippe vor und versuchte sich auf seinem Schoß zusammenzurollen. Katzenhaft stieß sie ihr Köpfchen gegen Jo, als könnte er sich auf Befehl ausdehnen auf alte Größenverhältnisse, zu einem Vater werden, auf dessen behaartem Unterarm sie in voller Länge Platz fände, so wie als Neugeborenes.

Jo schwieg, insistierte weder auf einer Antwort noch führte er seinen Vorschlag weiter aus, und Anna wusste, warum. Wenn Judith in dieser Stimmung war, dann war sie für keinen der halbherzigen Tagespläne zu begeistern, die sie gestern abend besprochen hatten, nachdem Judith und ihr jüngerer Bruder schliefen. Keine griechischen Theater, keine Bootsfahrten, keine Bergdörfer.

Zehn Jahre war sie, bald elf. Ein kleines Mädchen mit einer großen Seele, die häufig mehrmals täglich zwischen den Extremen pendelte, sie mal beinahe zu einer jungen Frau mit eigenständigen Gedanken machte und mal zu einem Kleinkind. Vor allem in den Morgenstunden war sie klein, wenn sie zu ihren Eltern unter die Decke schlüpfte und mit ihren Füßen nach einem Nest in Jos oder Annas Kniekehlen suchte. Dieses Kind, das von früh an damit beschäftigt gewesen war, Welten zu entwerfen und zu bevölkern, und das manchmal erschöpft zu sein schien von der Stimmenvielfalt in seinem schmalen Schädel. Ein Kind, für das die Zahl fünf blau war und die Zahl zwei gelb, das sich nach Jahren an Aufschriften von Zuckertütchen in Ausflugscafés erinnerte, aber jeden Tag vergaß, was „die Rechnung, bitte“ auf italienisch hieß.

Noch immer ruckelte sie sich auf Jos Oberschenkeln zusammen, so eng, wie ihr Körper es zuließ, und wieder einmal bemerkte Anna erstaunt, wie kurvig sie schon wurde, wie rund ihr Po und ihre Hüften, wie schmal ihre Taille. Dabei war sie eine der kleinsten in ihrer Schulklasse, so, als könnte nicht nur ihr Geist, auch ihr Körper sich nicht entscheiden, was er sein wollte, Kind oder Frau. Ganz die Mutter, nur ohne die Spuren, die Jahre, Schwerkraft und Schwangerschaften hinterlassen hatten. Anna war beinahe sicher, dass auch Judith heute dieses innere Rutschen spürte und ähnlich daran litt wie sie selbst. Nur, dass sie es noch viel weniger hätte benennen können.

Vielleicht waren sich Mütter und Töchter immer ein wenig zu nah, Kontinente, deren Platten in der Tiefe aneinander schabten, sich verhakten, Gebirge aufwarfen, das innerste nach außen beförderten. An Tagen wie heute, das wusste Anna, zog Judith sich langsamer, schwerfälliger an. Brach in Tränen aus, weil ihr nichts zu gelingen schien. Starrte hungrig auf üppig gedeckte Frühstückstische und fand doch nichts, das ihr schmeckte.

Währenddessen hatte sich Bruno bereits mühsam zwei Stücke Käse abgeschnitten, schob sie sich in den Mund und zeigte beim Kauen unbekümmert seine neue Zahnlücke unten links. Sie beneidete ihren Sohn um diese leichte Unempfindlichkeit, die sein Leben vom ersten Tag an einfacher gemacht hatte als das ihrer Tochter und ihr eigenes.

„Ich bin wach“, das war einer seiner ersten kompletten Sätze gewesen, die er als Zweijähriger morgens erwartungsvoll in den langen Flur ihrer Hamburger Altbauwohnung gerufen hatte. Mehr Nestflüchter als Nestsucher, einer, der die Wärme besser speichern konnte als seine Schwester und sie in etwas eigenes, anderes verwandelte. Auch heute war Bruno immun gegen die vage weibliche Weinerlichkeit am Tisch, plapperte vor sich hin, sprang in seiner Erzählung von der letzten Klassenkonferenz zu einem Schnorchel, den er in einem Laden an der Uferstraße gesehen hatte, zwischen dem Imbiss, gegenüber dem Eingang zu einem exklusiven Strandclub, dessen Schild von verblasster Grandezza kündete. „Nur zehn Euro kostet der, der ist ganz toll, Mama, ich geb’s dir von meinem Taschengeld, ehrlich. Können wir bald los, Mama, ja?“

Anna wartete, dass der Espresso seine Wirkung tat, wartete vergeblich, und plötzlich wusste sie, dass sie und ihre Tochter sich heute besser aus dem Weg gehen würden, um sich nicht gegenseitig noch weiter den Boden unter den Füßen wegzugraben. Sie beide brauchten Rettung, und Anna wusste, wo die zu finden war. Judith brauchte ihren Vater. Sie, Anna, brauchte ihren Sohn.

Mit Bruno an den Strand gehen, an den billigen, öffentlichen Teil, zwei Sonnenliegen mieten, ein Wassereis kaufen, heimlich die operierten Brüste der Russin neben ihnen anstarren, die chinesischen Masseurinnen vertreiben, die die letzten Badegäste mit ihrem penetranten „Massagio!“-Angebot nervten, fahrende Marketenderinnen in einer globalisierten Welt. Der samtige Rücken eines Sechsjährigen, sein glucksendes Lachen, die Ernsthaftigkeit, mit der er alleine die Strandtasche bewachte, wenn sie, seine Mutter, auf dem Weg war zur Toilette in der Strandbar. Diese harmlose, leicht verstaubte Mischung aus Bildern mit dem Gelbstich alter Fotoabzüge und in die Jahre gekommener Kinokomödien würde sie heute zurückbringen auf festen Grund, während sich Jo besser Judiths seltsamer Stimmung annehmen konnte. Vielleicht, in dem er sie bei einem Bummel über den Corso in einen Buchladen führte oder einfach mit neuen Geschichten zudeckte. Den Abenteuern der Argonauten, der Herr-Der-Ringe-Saga, alles war recht, so lange es episch war und verschlungen.

Jo war die Art Mann, die an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit der Barde gewesen wäre, der fahrende Sänger. Er erzählte, so wie Musiker improvisierten, selbstvergessen, genussvoll, und nie zwei Mal mit den gleichen Formulierungen. Vor Jahren hatte er auch sie förmlich hineingequatscht in die Liebe. Aber seitdem die Kinder da waren, hatte er seine Worte umverteilt. Meistens war sie nur noch Zaungast seiner Erzählungen. Beide geizten sie mit ihrer Zeit, horteten sie eher jeder für sich als füreinander, als hätten die Jahre ihrer Ehe mehr davon verbraucht, als ihnen eigentlich zustand.

Anna und Jo tauschten einen Blick wortlosen Einverständnisses, und sie hob die Hand über dem Frühstückstisch, um ihrem Mann die behaarte Wange zu streicheln. Seitdem er sich einen Bart stehen ließ, sah er gleichzeitig jünger aus, so wie seine Agenturkollegen mit ihren extraschmalen Kinderjeans, und älter, wie ein moderner Homer mit wässrigen, kurzsichtigen Augen hinter der modischen schwarzen Brillenfassung. Sie fragte sich, ob dieser neue Bart Jos Eingeständnis von Angst war, oder seine Antwort darauf. Eine Demutsgeste vor den 30jährigen Neueinsteigern, die seine Söhne hätten sein können, theoretisch wenigstens, von denen er in der Hierarchie der Firma aber nicht weit genug entfernt war, um die Vaterrolle auszufüllen. Ob auch er das Gefühl kannte, wenn sich der Boden unter den eigenen Füßen unmerklich neigte. Sie nahm sich vor, ihn am Abend zu fragen, verwarf den Plan aber gleich wieder. Diese Blase, die sie beide ihr Leben nannten, und die aus Zwei-Jahres-Verträgen und mündlichen Zusagen bestand, dieser fragile Wohlstand war zu empfindlich, um daran zu rühren.

„Bist du denn schon im Bad fertig, Bruno?“, fragte sie.

Romane von Janna Hagedorn

Janna Hagedorn? Wer ist denn jetzt diese Janna Hagedorn? Das könnte man philosophisch beantworten: Ich ist ein anderer. Oder einfach ganz simpel: Verena Carl und Janna Hagedorn sind ein und dieselbe Person. Sie schreiben nur ganz unterschiedliche Bücher. Finden beide.

Wie das passieren konnte? Ganz einfach. Nachdem Verena Carl zwischenzeitlich ein wenig die Faxen dicke hatte von literarischem Anspruch, hatte sie eine Idee für einen richtig süffigen Chicklit-Roman nach dem Muster: Yoga meets Bridget Jones. Aber als „Mantramänner“ dann fertig war, stellte sie fest: nee. Die passen nicht zu diesem Namen. Da wohnt eine zweite Seele in meiner Brust, die anders denkt und anders schreibt. Die vielleicht lustiger, unbekümmerter und romantischer ist als die gute alte Verena. Was tun? So wurde Janna Hagedorn geboren – nicht ganz anders, aber doch nicht dieselbe. Aus Verenas zweitem Vornamen und Verenas Ehenachnamen (denn Carl heißt sie eigentlich seit 2004 schon gar nicht mehr).

Janna Hagedorn schrieb also eine Yoga-Romanze, erschienen 2011. Danach dann die Geschichte von zwei Frauen, die sich in einem abgewrackten Wellnesshotel an der Nordsee begegnen und nicht gemeinsam haben außer dem Alter – 40! – und, wie sich dann herausstellt….aber nein, kein Spoiler bei dieser Art von Roman. „Friesenherz“ (2014) ist jedenfalls eine Geschichte über ganz unterschiedliche Lebensentwürfe in der Lebensmitte, und wie man, verdammt noch mal, in seinem Garten bleiben und doch an das grünere Gras auf der anderen Seite des Zaunes kommen kann. Und dann, weil Janna (und Verena) das Wendland in Niedersachsen so lieben, folgte 2016 noch „Elbe aufwärts“  – da wird eine einigermaßen zynische Ex-Chefredakteurin in Zeiten der Print-Krise in die Wüste geschickt, versucht, ausgerechnt im Öko-Biotop ein Edel-Landrestaurant aufzumachen, scheitert natürlich krachend, aber findet möglicherweise die Liebe, oder auch nicht. Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. All diese Romane sind im Diana Verlag erschienen.

Was Janna Hagedorn zur Zeit macht? Nichts. Schlafen. Vielleicht irgendwann wieder aufwachen – who knows? Im Moment hat gerade wieder Verena Carl übernommen. Aber, keine Sorge: Die beiden verstehen sich blendend.

Romane von Verena Carl

Mein Parallel-Leben als Schriftstellerin begann so etwa im Jahr 1997, als ich verdutzt eine Poetry Slam-Bühne in München hochstolperte, um mir eine Flasche Whisky abzuholen – der Hauptpreis für meinen 10-Minüter am Mikrofon, gemessen an der Lautstärke des Applauses. Den Inhalt habe ich verdrängt, irgendwas über starke Frauen und unerwiderte Liebe, was einen halt so umtreibt als 20-something. In diesen Jahren habe ich es einfach genossen, frei von „immer an den Leser denken“-Parolen und „Das versteht die Leserin nicht!“-Geboten meinem Spaß am Text und an schönen Worten freien Lauf zu lassen. Ein Gegenprogramm zu den Reise- und Frauenmagazinredaktionen, für die ich damals arbeitete. Gewonnen habe ich den Slam bei weiten nicht immer, manchmal wurde ich auch von der Bühne gebuht, aber bin dennoch immer wieder auf die Spielwiese zurückgekehrt neben meinem Job als Journalistin. Nachdem ich noch im alten Jahrtausend ein Jugendsachbuch über Flirten im Internet geschrieben hatte (es hatte den damals ungemein hippen Titel „Herzklopfen im Cyberspace“ und verstieg sich zur kühnen Behauptung, das Internet sei eh nur so eine Phase) ermunterte mich meine sympathische Lektorin bei dtv junior, es mal mit einem Jugendroman zu versuchen, der dann schließlich aus verschiedenen Gründen doch im Erwachsenenprogramm landete. „Lady Liberty“ war also streng genommen mein Debüt im Jahr 2001 – natürlich eine Liebesgeschichte, natürlich im Poetry Slam-Milieu – , und wurde später vom Thienemann Verlag in aktualisierter Fassung unter dem Titel „Der Himmel über New York“ erneut herausgebracht, diesmal tatsächlich in einer Jugendbuchreihe, in die es auch gehört.

Mein erstes Hardcover erschien 2002 unter dem Titel „Eine Nacht zu viel“ bei Marion von Schröder – die Geschichte einer lebensverändernden Begegnung zwischen einer schüchternen Studentin und einem abgehalfterten Reisejournalisten, die gemeinsam in einem Bergdorf eingeschneit werden und die Nacht Sheherazade-artig mit Reden, Erzählen und Geständnissen verbringen, die immer mehr an die Substanz gehen.

2007, zehn Jahre nach meinem ersten Poetry Slam, brachte Eichborn mein Roman „Irgendwie irgendwann“ heraus, die Geschichte einer Kindheit und Jugend im friedensbewegten und katastrophenängstlichen Freiburg der 80er Jahre – diese Kulisse ist autobiographisch, die obsessive Liebe einer 13jährigen, die nicht so richtig weiß, ob sie sich eigentlich nach einem Vater sehnt oder nach einem Liebhaber, ist es nicht. Weil mir die Kombi aus dem Geist eines Jahrzehntes und dem Geist eines Ortes so gut gefiel, wilderte ich zwei Jahre später nochmal in meiner eigenen Biographie, das Ergebnis war „Wer reinkommt, ist drin“ – diesmal die Geschichte zweier Studentinnen, die sich in den 90er Jahren in München eine WG teilen und sehr genaue Vorstellungen vom Leben haben. Nur, dass das Leben sich einen Spaß daraus macht, jeder genau das Gegenteil von dem zu schenken, das sie sich wünscht. Ein geplanter dritter Teil – angesiedelt in Hamburg in den Nuller Jahren – kam nie zustande, weil der Verlag damals nach turbulenten Monaten der Insolvenz verkauft wurde, was zu einigen Umstrukturierungen führte. Schade, ich hätte gerne einen Schuber mit drei Bänden gehabt. Stattdessen verlegte ich mich in den darauf folgenden Jahren zur Abwechslung auf rein unterhaltsame Frauentitel, bastelte mir aus meinem Ehe-Nachnamen und meinem Vornamen einen zweiten Autorennamen und versuchte mich – durchaus erfolgreich – im ChickLit-Genre, Unterabteilung „40-somethings.“

Bis ich merkte, dass ich mich zu alt fühlte für einfach Happy Ends und die Art von Konstruktion, die nicht die Welt im Innersten zusammenhält, sondern nur jeden beliebigen 90-Minüter im TV-Programm. Und alt genug für mehr: mehr Gedanken, mehr Genauigkeit, mehr Liebe zur Sprache. Was dann geschah? Was wohl: Ich begann mit einem neuen Roman. Fand einen wunderbaren, literarischen Verlag dafür. Dazu an dieser Stelle bald mehr – man soll ja immer beim Cliffhanger aufhören….

Was die Presse über meine Romane schreibt, können Sie hier nachlesen.

 

Ich über mich

Ich bin Jahrgang 1969, geboren und aufgewachsen in Freiburg, habe die Jahre 1990 bis 1999 in München verbracht und lebe heute mit meinen Kindern und meinem Mann, dem Illustrator Dierk Hagedorn, in Hamburg. Weitere Infos zu meinem literarischen Werdegang finden Sie unter den jeweiligen Links.

Wenn Sie mit mir in Kontakt treten möchten, erreichen Sie mich per E-Mailoder über die Telefonnummer 040/28 05 54 80