Polyamorie: In guten wie in guten Zeiten

Alle miteinander haben sich ganz lieb, jeder ist für sich selbst verantwortlich, reden hilft: Der Gesellschaftstrend „Polyamorie“ klingt nach einem Märchen für Erwachsene. Ich fürchte: Genau das ist es auch. Geht das nur mir so?, frage ich mich in der BRIGITTE im Mai 2017

 Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist daran meistens etwas faul. Das gilt für 19-Euro-Flugtickets genau so wie für die Polyamorie. Sie wissen auch nicht so ganz genau, was das ist? Laut Wikipedia geht es um die Idee, „mehr als einen Menschen zur gleichen Zeit zu lieben, mit Wissen und Einverständnis aller Beteiligten, als langfristig und vertrauensvoll angelegte Beziehung.“ Also: ein bisschen Woodstock, ein bisschen Sharing-Economy. Der „Spiegel“ feierte offen geführte Mehrfach-Lieben kürzlich gar als feministische Erfolgsgeschichte. Seitdem frage ich mich ständig: Wo ist der Haken? Denn irgendeinen haben sie ja alle, diese super-duper-sorglos-Angebote. Die billigen Flugtickets gelten nur am 31. Februar morgens um halb vier one-way. Und die Polyamorie? Mag funktionieren. Aber nur für Menschen, die halbwegs jung, halbwegs schön, halbwegs kinderlos, halbwegs gesund und krisenfrei sind.

Ich glaube nämlich nicht nur, dass immer einer mehr leidet, je schwereloser der andere von Blüte zu Blüte hüpft. Ich frage mich vor allem, wie tragfähig so eine Mehrfachbeziehung wird, wenn’s hart auf hart kommt. Wenn das luftige Liebes-Ideal auf dem Boden der Tatsachen landet. Kein Problem, so lange alle tiefenentspannt durchs Leben gehen: Der Ben wacht morgens um zehn in Julias Single-Appartement auf und frühstückt um elf bei der Geli Croissants mit Erdbeermarmelade, ganz ohne Eifersucht und Heimlichkeiten. Aber was, wenn die Geli am Freitag eine fiese Wurzelbehandlung hat, Julia aber mehr Lust auf eine Spritztour ins Romantik-Hotel? Wenn Julia ein Baby bekommt – schläft Ben bei seiner Alternativ-Liebe, weil da die Nächte ruhiger sind? Und wenn Ben seinen Job verliert: Machen dann beide Frauen Schluss? Weil negative Vibes das gute Feeling ruinieren, und Trips ins Romantik-Hotel nicht vom ALG II zu bezahlen sind? Oder legen Geli und Julia fürs Dreierzimmer zusammen? Das ist für mich der größte Minuspunkt des Ich-liebe-euch doch-alle-Ideals: Schwach sein ist nicht. Jedenfalls nicht für länger.

Klar, auch in gewöhnlichen Zweierbeziehungen klappt das nicht immer mit den guten und den schlechten Zeiten. Egal ob verheiratet oder nicht, homo oder hetero. Es gibt Männer, die gehen während der Krebs-OP ihrer Frau zum Segeln, und Frauen, die ihre Zuneigung an den Gehaltszettel oder den BMI ihres Lebensgefährten koppeln. Aber dann weiß man wenigstens: Das ist wohl nicht der Mensch, auf den ich mich im Leben verlassen sollte. In anderen Fällen tut es der Liebe sogar gut, wenn sie kein allzu bequemes Schlupfloch hat. Wenn einen nicht nur luftiges Gefühl bindet, sondern auch das Kind, die Eigentumswohnung, die gemeinsame Firma, dann ist man doch eher bereit zu bleiben, zu streiten, bestenfalls aneinander zu wachsen. Ja: das hat mit Abhängigkeit zu tun, das ist anstrengend. Aber auch Mehrfach-Beziehungen sind ja kein Ponyhof, sie zerren nur anders an den Nerven. Liebe gerecht verteilen, Bedürfnisse abwägen: ein emotionaler Vollzeitjob. Und es gibt Phasen im Leben, da möchte ich nicht dauernd verhandeln, sondern mich einfach mal fallen lassen. Zu wissen, dass einer mich auch mit unrasierten Beinen liebt; zurücklieben, auch wenn er nicht jeden Abend Energie hat für tiefe Talks: Das ist wirklich mal ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann.

 

Was Journalisten über meine Bücher schreiben

Pressestimmen zu „Irgendwie irgendwann“

Ein vergnüglicher, mit Nadelstichen versehener 80er-Jahre-Roman
(Bild am Sonntag, 10.8.08)

Verena Carl schildert (…) facettenreich und flüssig. Sie leuchtet den zeitgeschichtlichen Hintergrund, die Schauplätze und deren meist links-alternatives Personal akribisch aus und beschreibt mit Verve und einem Humor, dessen angenehme Trockenheit der Geschichte sympathische Schwingungen verleiht.
(literaturkritik.de)

Geschickt und amüsant verknüpft Carl die Katastrophe des Erwachsenwerdens mit der Apokalypse, vor der Freiburgs links-alternative Szene eine beinahe hysterische Angst entwickelt: Warum für die Schule lernen, wenn morgen alle Atomwaffenarsenale in die Luft fliegen können? (…) Mixkassetten, Kerzen in Flaschen, die auf Kneipentische tropfen, Nena, Orwells „1984“, der erste CD-Player – ein Vergnügen ist das Buch insbesondere für alle, die tief in die 80er eintauchen wollen.
(Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, 28.3.08)

„Irgendwie Irgendwann“ ist ein sensibel und smart geschriebener Coming-of-Age-Roman, der die 80er-Jahre als Folie nutzt, auf der familiäre Dramen fast beiläufig miterzählt werden.“
(Hamburger Abendblatt, 26.3.08)

Friedensdemos und Liebeskriege – Verena Carl erzählt authentisch und mit umwerfender Tragikomik. Es schadet kein bisschen, dass sie unterhalten will, und badische Mundart, zeigt sich, passt zu den 80ern wie Hennarot zur schrumpelnden Malerin.
(Focus, 17. März 2008)

Super Retro-Roman über die 80er, dessen atmosphärischer Stil nicht von gestern ist.
(petra, März 2008)

Verena Carl […] schreibt authentisch vom Erwachsenwerden in einer (Frauen-)bewegten Zeit.
(Freundin, 16. Januar 2008)

Witzige Zeitreise in die 80er, die Ära von Latzhosen, Anti-AKW-Aufklebern und Frischkornbrei. Alle sind friedensbewegt und ökologisch engagiert…
(Maxi, März 2008)

Mit vielen ‚Kenn ich auch‘-Momenten!
(jolie, April 2008)

Verena Carl lässt ein ganzes Jahrzehnt wieder auferstehen, in dem die Angst vor einem Atomkrieg größer war, als keine Lehrstelle zu finden. ‚Irgendwie, Irgendwann‘ ist kein Action-Roman, in dem viel Spektakuläres passiert. Und trotzdem sind die 300 Seiten von der ersten bis zur letzten Seite spannend, weil das Erwachsenwerden der Hauptfigur so echt und lebendig erzählt wird.
(SWR1, 29. Februar 2008)

Schweigen für den Frieden, strickende Männer, Bhaghwan-Jünger: Verena Carls 80er-Jahre-Panorama ist skurril, witzig und einfach hinreißend.
(Für Sie, 5. Februar 2008)

…wirkt die Hauptfigur in ihrer Erzählhaltung authentisch und sympathisch. Verena Carl beschreibt eine noch nicht allzu ferne Zeit und ihre Erscheinungen konsequent aus dem Winkel eines heranwachsenden Kindes und entlarvt sie so ein ums andere Mal. […] Der leichte Bildungsroman eines Mädchens mit Haut- und Gewichtsproblemen wird letztlich zu einer ungemütlichen Analyse des Verfalls […] Der bittere Nachgeschmack macht den Roman zu einer Urlaubslektüre mit Mehrwert.
(Badische Zeitung, 22. Februar 2008)

Eine amüsante, authentische Zeitriese in die friedensbewegten, ökologisch korrekten 80er aus Teenager-Sicht.
(Glamour, 5. Februar 2008)

…kann man hier herrlich in Erinnerungen schwelgen –
(bücher, Februar 2008)

…mischen sich Elemente der klassischen Coming-of-age-Geschichte mit grotesk-komischen Reminiszenzen an ein ziemlich widersprüchliches Jahrzehnt.
(Szene Hamburg, März 2008)

Einfühlsam, fesselnd und mit feinem sprachlichen Geschick, berichtet Carl darin von den Wirrungen der ersten Liebe in Zeiten von Anti-Atomkraft-Demos, Strickpullovern und nuklearer Bedrohung und lässt dabei ein ganzes Jahrzehnt aufleben, in dem Twix noch Raider hieß und Achselbehaarung als schick galt.
(chilli, März 2008)

Dieses neongrüne, aber nie oberflächliche Buch ist perfekter Badewannenstoff.
(blond magazine, März 2008)

…zwischen Anti-Atomkraft, Bio-Möhren und Latzhosen entspinnt Carl eine lebendige Geschichte.
(Bielefelder, März 2008)

Verena Carl erzählt ihre Geschichte ruhig, unaufgeregt, mit bisweilen trockenen Witz und nie mit zu großer Geste.
(ultimo – Stadtmagazin Bielefeld Münster, 18. Februar 2008)

Pressestimmen zu „Wer reinkommt, ist drin“

Verena Carl, 1969 in Freiburg geboren und aufgewachsen, hat selber in München studiert und lässt die Zeit, als Normalsterbliche keine Chance hatten, am Türsteher der Edeldisco P 1 vorbeizukommen und nur wenige privilegierte Studis einen PC auf dem Schreibtisch stehen hatten, aufscheinen. Das weckt nostalgische Gefühle und ist recht kurzweilig zu lesen – vor allem, wenn man sich ein wenig in München auskennt.
Badische Zeitung, 2.3.2012

„Wer reinkommt, ist drin“ transportiert das Lebensgefühl Heranwachsender aus einer Zeit, die nur zwanzig Jahre zurückliegt, doch aus heutiger Sicht ewig weit entfernt scheint und so nicht mehr vorstellbar ist. Verena Carl karikiert glänzend die Schnittstelle zwischen der analogen Welt mit Schreibmaschine und Festnetztelefon und der heutigen digitalen Welt mit Internet und ständiger Erreichbarkeit, was einige Schmunzler beim Leser hervorrufen wird. Diejenigen Menschen, die bereits mit Handys aufgewachsen sind, werden hingegen Probleme damit haben, zu verstehen, warum ein Date mit Candlelight-Dinner aufgrund einer unangemeldeten Verspätung scheitern könne. Schließlich hätte man doch mit einer SMS kurz Bescheid geben können, oder?
literaturmarkt.info, 27.2.2012

Verena Carl erzählt leicht und locker, ohne ins allzu Seichte oder Kitschige abzurutschen. Gerne erinnert man sich mit ihr an die vielen Attribute jener Epoche und schwelgt für eine kurze Zeit wieder im damaligen Gefühl der Leichtigkeit des Seins. Schnell erkennt man aber auch die Geschichten wieder, die klarmachen, wie zerbrechlich Lebensträume sind, und wie oft eine Chance nur durch den Zufall bestimmt wird. Das Buch ist sehr auf die persönliche Ebene seiner Figuren ausgerichtet, es ist ganz sicher kein politisch motiviertes. Und dennoch – ist es nicht gerade das Fehlen der politischen Diskussionen und Intentionen, die entlarvend sind für diese Zeit? Gerade heute kommt man bei der Lektüre nicht umhin, sich zu fragen, ob vieles von dem Chaos, der Nicht-Bereitschaft zu Verantwortung nicht auch in diesen schaumschlagenden 90er Jahren begründet liegt.
www.literaturzeitschrift.de, 23.2.21012

Verena Carl erzählt aus einer Zeit, die sie selbst erlebt hat, locker, humorvoll und mit einem Schuss Wehmut.
Lilo Solcher, Augsburger Allgemeine, in ihrem Blog „Lilos Reisen“, Februar 2012

Verena Carl unternimmt in ihrem neuen Buch ‚Wer reinkommt ist drin‘ einen Zeitsprung in die 90er Jahre, als Pasta noch Nudel hieß, Rucola noch nicht schick war und man nichts dabei fand, den Cappuccino mit Sahne zu trinken….Begegnungen zwischen Deutschland-West und Deutschland-Ost, mit viel Empathie für die Protagonisten und einer gehörigen Portion Humor.
Heidenheimer Neue Presse, 11.2.12

Reichlich Epochenattribute, die dem Leser die Erinnerung an die seltsam indifferenten 90er Jahre erleichtern, fügt Verena Carl zur meist leichten und lockeren Lektüre. Ihre unterhaltsame Figurenkonstellation, die nicht im Seichten verharrt, sondern durchaus Brüche bietet und eine überraschend konträr zueinander verlaufende Entwicklung nimmt, eignet sich nicht nur bestens als Badewannenlektüre, sie wäre auch ideal zur Verfilmung geeignet.
Hamburger Abendblatt, 9.2.2012

Pressestimmen zu „Mantramänner“ (unter Janna Hagedorn)

Mit Mantra-Männer legt die Hamburger Journalistin und Autorin Janna Hagedorn einen kurzweiligen und unterhaltsamen Roman vor, der mit einem Augenzwinkern die Yoga-Szene aufs Korn nimmt.
(Visionen, Juli 2011)

Angriff auf die Lachmuskeln!
(Sat 1 Nord, 26.4.2011)

Lustig, romantisch, aus dem Leben gegriffen
(Mopo, 28.4.2011)

Leichte Kost, amüsant – egal, ob man Yoga praktiziert oder nicht
(Nordkurier, 4.5.2011)

Unbedingt lesen. Schließlich kann nicht nur Yoga, sondern auch Lachen herrlich entspannen!
(Bella, März 2011)

Gute-Laune-Roman mit vielen amüsanten Verwicklungen
(Tina, 30.3.11)

Hagedorn schreibt pfiffig und flott und nimmt dabei das ganze Yoga-Getue ordentlich aufs Korn – nicht ohne klarzumachen, dass die indische Bewegungsschule ein seriöser Weg ist, im Leben zufriedener zu werden
(HNA, 5. 3. 11)

Ein Spiel mit Klischees – herrlich!
(Lea, Februar 11)

Mantramänner lebt von Situationskomik, einem Quäntchen Tiefgang – und macht richtig Lust auf Yoga!
(BZ Berlin, 20.3.11)

Lange nicht mehr so gelacht!
(Grazia Magazin, 24.2.11)

Mein Leben – to be continued

Geboren bin ich an einem kalten Dezembertag im Jahr 1969 – ein wenig zu früh, so heißt es. Ich nehme an, dass ich mir die Sixties nicht so ganz entgehen lassen wollte. Meine Siebziger- und Achtziger-Jahre-Kindheit inklusive Schlaghosen und asymmetrischen Haarschnitten verbrachte ich in Freiburg, zog 1989 zum Studium nach München und verpasste so prompt fast den Mauerfall, weil ich am 9. November noch keine Fernseher besaß. 1994 schloss ich mein Studium (BWL mit Schwerpunkt Touristik) an der FH München mit Diplom ab, um danach endlich das zu tun, was ich eigentlich immer wollte: schreiben. An der Deutschen Journalistenschule lernte ich mein Handwerk und fing nach dem Volontariat bei der Münchner Abendzeitung und beim Reisemagazin Holiday (Burda Verlag) auch dort als Redakteurin an. Nachdem „Holiday“ 1997 eingestellt wurde, arbeitete ich bis 1999 freiberuflich für verschiedene Redaktionen (Globo, freundin, Marie Claire etc.), entdeckte parallel erst meine Begeisterung für Slam Poetry und dann fürs Bücherschreiben und schrieb an meinem ersten Roman. Das Milenniums-Silvester verbrachte ich bereits in Hamburg – eine Stadt, in der ich meine Wahlheimat fand, nicht erst, als ich später dort heiratete und zwei echte Hamburger Kinder zur Welt brachte. In den ersten Jahren in Hamburg arbeitete ich fest angestellt (zunächst bei Fit for Fun, später bei der „Petra“), um mich dann 2004 ein und für alle Mal selbständig zu machen. Auch deshalb, weil ich nur so meine vielfältigen Interessen vereinen kann: Journalismus, Roman, Kinderbuch, Hörspiel. Als Journalistin hat sich mein Focus immer wieder verschoben, aufgrund persönlichen Interesses und meiner Lebenssituation. Heute suche ich vor allem nach Themen, die Psychologie, Trends und gesellschaftlichen Wandel berühren – mal nachdenklich und kritisch, mal lustig und ironisch. Meine Hauptauftraggeber sind derzeit Brigitte, Barbara, Eltern und Eltern family.

Was blogst du? Verena Carl, schnell und aktuell

www.40-something.de – endlich alt genug.

Seit 2015 bin ich als eine von drei Bloggerinnen auf 40-something unterwegs. Was mich beschäftigt, sind Themen wie diese: Wie kann man ohne Panik leben in einer chronisch kranken Welt? Zwei Wochen ohne Kinder verreisen – Egotrip, Befreiung oder beides? Wie kommt es, dass ausgerechnet Mütter in Teilzeit Gefahr laufen, in den Burnout zu schlittern? Wie funktioniert kollegiales Coaching im Job? Und: Warum um Himmelswillen lernt eine Frau über 40 plötzlich Dudelsackspielen?

40-something: die Geschichte unseres Blogs

Seit 2015 bin ich eine von drei passionierten Bloggerinnen bei www.40-something.de. Und Passion, das heißt bekanntlich Leidenschaft und Verzweiflung. Was mir bei der Planung vorschwebte: ein Blogazine, thematisch breit aufgestellt, wie eine hochwertige Zeitschrift, nur im Netz. Die Verzweiflung dahinter: das ewige Lamento über Printsterben und Verlagsniedergang. Puh. Dabei bin ich doch mit Print nicht nur groß geworden, sondern habe mit dem Journalismus in den Neunzigern auch meinen Traumberuf gefunden. Und möchte den auch weiter ausüben – wenn auch vielleicht auf anderen Plattformen, zu anderen Konditionen, im neuen Gewand. Denn wer weiß, wie sich die Branche entwickelt. Auf der anderen Seite die Leidenschaft: zu wissen, dass mit neuen technischen Möglichkeiten heute eine ganz neue Form der Kommunikation möglich ist. Schnell, aktuell, vernetzt, preiswert. Das fand ich spannend, das wollte ich ausprobieren. Auch als Platz für alltägliche Geschichten, mal die, die einem über den Weg laufen, mal die, für die man keinen Platz findet in einem Monatsmagazin und die wiederum zu wertvoll sind für einen schnellen Facebook-Post. Wohin damit? Für wen? Und auch: mit wem?

Die erste Frage war schnell beantwortet. Denn genauso, wie ich am liebsten die Art von Büchern schreibe, die ich auch gerne lese, wollte ich einen Blog für Frauen über 40. Schreiben und lesen. Für kluge Frauen, selbstironische Frauen, fühlende Frauen, die eher neugierig darauf sind, was das Leben ihnen noch so schenkt – oder auch vors Schienbein knallt – , als dass sie jeden Morgen vor dem Spiegel ihre Fältchen zählen oder der Vergangenheit hinterhertrauern. Männer? Sind herzlich eingeladen. Als Leser wie im Leben. Die zweite Frage – mit wem? – ergab sich daraus fast von selbst. Esther Langmaack und Silke R. Plagge, meine „Blogschwestern“, ticken nämlich ganz ähnlich wie ich. Und auch wieder ganz anders. Nur, weil jede von uns ihr Knowhow einbringt, haben wir dieses Baby überhaupt gemeinsam aus der Taufe heben können. Unser gemeinsames Motto seit April 2015: „Endlich alt genug“. Für guten Wein und gegen Höflichkeitskaffee. Für schmerzliche, aber notwendige Trennungen und Reisen allein. Gegen unnötige Pfunde und für jede Menge Selbstbewusstsein. To be continued. Alle paar Tage. Bunt wie das Leben. Alles mitbekommen? Geht hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neu ab Sommer 2017: die Hörspiel-Serie „Schlau wie Vier“

Texte schreiben? Kann ich! Und meine Kollegin Alex Frank vom Kindermedienbüro kann das auch. Aber Texte zum Klingen bringen? Ein Skript schaffen, das erst durch Sprecherstimmen, Toningenieure, Komponisten so richtig zum Leben erwacht? Das gleichzeitig spannend und lebendig ist und dabei Kindern im Grundschulalter Wissen vermittelt über Themen, die sie faszinieren – ob Dinosaurier oder Wildpferde, ob Altes Ägypten oder das Weltall? Und noch mehr als das: sorgsam recherchiert, von Experten gecheckt, spielerisch vermittelt? Anfang 2016 haben Alex und ich diese spannende Aufgabe übernommen und nach einer Idee von Hilla Fitzen, Redakteurin in der Kinder-Hörspielsparte von Sony Music, ein Konzept entwickelt, uns Figuren und Geschichten ausgedacht.

Das Ergebnis ist die neue Serie „Schlau wie Vier“. Und schlau, das sind sie wirklich: die Zwillinge Pia und Lisa, deren Universalerfinder-Mutter ihnen eine vermeintlich funktionslose Erfindung vermacht hat – den Navinauten, mit dem man durch Raum und Zeit reisen kann. Samir, dessen Piloten-Vater manchmal exotische Geschenke von seinen Reisen mitbringt, ohne zu wissen, auf welche Ideen die Kinder dadurch kommen – denn klammheimlich haben die Freunde in ihrem „Chillroom“ auf dem Dachboden längst herausgefunden, wie der Navinaut zu bedienen ist. Und Tobi, mutig und sportlich, der immer die besten Sandwiches dabei hat – schließlich ist seine Mutter nicht nur eine selbstbewusste Single Mom, sondern auch Kantinenköchin in der Grundschule Eulenstraße. Ob sie auch ein wenig zaubern kann?

Die ersten beiden Folgen  „Dinosaurier – der geheimnisvolle Knochen“ und „Wildpferde – Reise in die Mongolei“ sind im Juni 2017 erschienen, demnächst folgen Expeditionen ins Alte Ägypten und auf den Mars. Unsere vier Kinder (Alex: zwei Töchter, ich: eine Tochter und ein Sohn) tanzen und singen bereits den Titelsong mit. Reinhören? Das geht hier.

Südtirol im Winter: Spiel & Rodel gut

Hüttenzauber in der eigenen Stube, Kälbchentaufe im Stall und Einkehrschwung im Top-Skigebiet: Winterurlaub auf dem Bauernhof ist eine Traumkombi für Familien, in denen jeder eine andere Vorstellung hat von einer perfekten Woche im Schnee. 2012 haben mein Mann, meine Kinder (damals sechs und drei) und ich es ausprobiert, darüber geschrieben habe ich in der ELTERN family

 „Psst!“ flüstert Henri durchdringend in mein linkes Ohr. Ich blinzle schlaftrunken in mein Daunenkissen, dann zum Fenster in der Dachschräge. Finster ist es. Nur die Sterne sind weg, die vor ein paar Stunden noch so nah schienen, als könnten sie gleich in unser hölzernes Bauernbett plumpsen. Der aufgeregte Atem meines Sohnes streift meine Wange. „Psst!“ flüstert er noch lauter, „die Tiere schlafen.“ Da hat er höchstwahrscheinlich Recht. Dafür ist Mama jetzt hellwach. Auch wenn sie es sich nicht anmerken lässt.

Stille. Ungefähr zehn Sekunden lang. „Mama?“ „Grmpf?“ „Mama, hat Lotta schon ein Ei gelegt?“ „Nein, Henri, die schläft auch noch.“ Henri stupst mir stumm das geschnitzte Eierkörbchen in die Rippen. Ich verstehe. Ich kapituliere. Denn hier, auf dem Mudlerhof im Gsieser Tal, ist jeder Tag ein bisschen wie Weihnachten: Spätestens um halb sieben sitzen Henri (3 1/2) und Helen (6) senkrecht im Bett, weil sie es nicht erwarten können, in den Stall zu kommen. Jede Ferienwohnung hat eine private Eierlieferantin. Und was gibt es Schöneres, als morgens das noch körperwarme Ei aus der strohgepolsterten Legebox zu nehmen und im Triumphmarsch zum Frühstückstisch zu bringen? Da müssen eben auch die Großen mit den Hühnern aufstehen. Und mit Franz, dem Hahn.

Die Vorstellungen vom Ausschlafen im Urlaub mögen in unserer Familie ein wenig auseinander gehen. Aber sonst ist dieser Südtiroler Milchbauernhof aus dem 18. Jahrhundert mit unserer kuscheligen Ferienwohnung in der ehemaligen Brotkammer ein Sechser im Lotto. Denn er hat alles, was wir zum Winterglück brauchen. Während Helen endlich mal auf Skiern stehen will, reicht für Henri auch der Schlittenhang hinter dem Haus, Hauptsache, es gibt immer genügend Tiere: Stubenkatze und Stallkatze, Küken und Kühe. Und während ich von sonnigen Carving-Hängen träume, schlägt das Herz meines Mannes Dierk für mittelalterliche Burgen und Weinkeller. Aber warum Kompromisse machen, wenn man alles haben kann: am Morgen im Stall den Hasen die Ohren kraulen, am Nachmittag kilometerlange Pisten, abends den leckeren Lagreiner Rotwein auf der Eckbank im Herrgottswinkel? Das alles in einem stillen Seitental Südtirols, mit schneebedeckten Kiefern- und Lärchenwäldern, trutzigen Burgruinen und kleinen Dörfern. Fernab von hochglanzpolierten Après-Ski-Bars und Boutiquen-Bling-Bling, aber dank guter Verkehrsanbindung nur eine dreiviertel Stunde vom vielfältigen Skigebiet Kronplatz entfernt (siehe Kasten S. x).

Natürlich gehört zu einem so zünftigen Winterurlaub auch eine zünftige Urlaubsliebe. Helen hat ihre im Sturm erobert: die Bäuerin Agatha, eine zupackende und äußerst herzliche Person von Mitte 50. Die hat selbst zwei Söhne und eine Tochter großgezogen, lange Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet, und eine geradezu magnetische Wirkung auf Kinder. Wenn Agatha auftaucht, gibt es immer etwas Tolles zu tun. Die Füllung für „Tirtlan“ anrühren, das typische Südtiroler Schmalzgebäck. Oder aus der hofeigenen Milch kleine Käsestücke in Herzform herstellen. Oder, besonders verantwortungsvoll: einen Namen finden für ein neugeborenes Kälbchen. Während unserer Urlaubstage kommen gleich zwei zur Welt, und Helen nimmt die Aufgabe ähnlich ernst wie werdende Elternpaare. Schließlich wird der kleine gescheckte Stier John genannt, die braune Minikuh Ada. Dass die meisten Hühner und Kühe heißen wie aus der aktuellen Top-Ten-Liste der Kindervornamen, ist übrigens kein Wunder: Lotta, Emma und Lisa haben gleichnamige Taufpatinnen.

Schon bald bekommt Helens Urlaubsliebe jedoch harte Konkurrenz. Er heißt Stefan, hat ein freundliches sonnengegerbtes Gesicht und ist, jawoll: Skilehrer. Noch dazu ein ganz exklusiver: Für kleine Greenhorns wie unsere Tochter kann man in der Skischule vom Nachbardorf St. Magdalena den Chef persönlich für eine Schnupperstunde mieten. Und so kurvt Helen bald im Schneepflug ihre ersten Meter Hang hinunter und juchzt halb begeistert, halb ängstlich, wenn sich Stefan erst seine Schülerin und dann den Teller des altmodischen Liftes zwischen die Beine klemmt. Bei dem Anblick muss ich an meine eigenen ersten Schwungversuche in den 70er Jahren im Schwarzwald denken. St. Magdalena, das ist: ein einziger Hang, ein einziger Lift, und direkt neben dem Skischulbüro am Fuße des Hügels kräht ein Langschläferhahn auf dem Mist. Sehr zu Henris Freude. Währenddessen bringe ich auf dem Übungshang meine eingerosteten Oberschenkel wieder in Schwung. Auf halber Strecke saust eine Armada von bunt gekleideten Zwergen an mir vorbei, die aussehen, als hätten sie das Carven vor dem Laufen gelernt. Haben sie wahrscheinlich auch. Wer hier groß wird, kennt schon im Kindergarten jeden Berg beim Vornamen.

Damit Papa Dierk nicht noch einen zweiten Tag mit Henri Hühner am Hang jagen muss, haben unsere Bauersleute eine Überraschung in petto: Wintersport für Skiverweigerer! Auf unserer Wandertour am nächsten Tag werden die Schneeschuhe eingepackt, und los geht’s ab dem Lift in St. Magdalena, einen gewundenen Weg bergauf durch den Winterwald. Die Kinder dürfen auf dem Schlitten sitzen, nur an den steilsten Stellen müssen sie ein paar Meter laufen. Aber Agatha weiß, wie man meckernde Flachlandtiroler bei Laune hält: mit Märchen. Von der Superhenne Mina, die bunt sein wollte wie ein Blumenstrauß, und von dem Königssohn und der Mondprinzessin, die erst miteinander leben konnten, als die Dolomiten ihre bleiche Mondlichtfarbe bekamen. Dass der Weg sich gelohnt hat, darüber sind wir uns spätestens einig, als wir auf fast 2000 Metern an der sonnendurchwärmten Holzwand der „Ascht-Alm“-Terrasse sitzen und Hubi vor uns steht. Der Hüttenwirt sieht beinahe aus wie eines der männlichen Models aus der Fremdenverkehrswerbung, und kochen kann er auch noch: Polenta oder Speckknödelsuppe, Hollerschorle oder Helles, man kann sich kaum entscheiden. Irgendwann kommt Töchterchen Laura (3) aus der Wirtsstube gestapft, ganz cool im Fleecepullover, und zeigt ihr Kinder-Karaoke-Set. Während sie mit Henri und Helen die Hütten-Hits der nächsten Saison einübt, bereiten Dierk und ich uns seelisch auf die Schlittenpartie ins Tal vor und genießen den Bergblick vor der Nase. Den haben wir zu Hause in Hamburg eher nicht so.

Was wir auch nicht haben, sind Burgen. Sehr zum Leidwesen meines Liebsten, der seit seiner Grundschulzeit vom Mittelalter-Virus befallen ist. Ich hab’s zwar nicht so mit Rittern & Co., aber mit diesem Ausflugsziel kann Dierk uns alle ködern: Die Kleinstadt Bruneck, mit dem 2011 eröffneten „Messner Mountain Museum“ in der Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Der Südtiroler Ausnahmebergsteiger Reinhold Messner hat dort eine überwältigende Sammlung zusammengetragen, die das Leben von Bergvölkern aus aller Welt dokumentiert: von der bulgarischen Hochzeitstracht bis zum Tiroler Butterstempel, von der Wasserschale aus dem Wadi Rum bis zur Götterfigur aus dem Himalaja. Und zwar nicht hinter Glas und Absperrseilen ausgestellt, sondern zum Erleben und nah Rangehen. In Nullkommanix haben Helen und Henri eine mongolische Jurte erobert, während ich mich wundere, wie gut buddhistische Gebetsfahnen und trutzige Burgmauern zusammen aussehen.

Und noch etwas hat Bruneck: eine schnuckelige Flaniermeile mit südländischem Flair, gesäumt von zwei mittelalterlichen Stadttoren. In den Bars sitzen blondierte Frauen vor ihrem Nachmittags-Prosecco, in den Boutiquen gibt’s italienische Wintermode von Stefanel und Max & Co, und auf einmal spürt man, dass Südtirol genau so nah an Venedig ist wie am Brenner. Jetzt eine wagenradgroße Angebersonnenbrille aufsetzen und ab ins Straßencafé! Aber daraus wird leider nichts. Helen und Henri haben noch ein Date: Um 17 Uhr im Kuhstall, mit Bauer Peter, zum Melken. Und vielleicht auch noch mal eine Runde mit dem Rutschbike auf den Schlittenhang, und dann muss ja auch noch mal jemand nach den Hühnern sehen. Tja. So ist das eben, wenn man im Urlaub alles haben kann.

 

Tipp: Der Mudlerhof (www.mudlerhof.it, Tel. **39/0474/978446) gehört zur Südtiroler Urlaubs-Bauernhofsvereinigung „Roter Hahn“ (www.roterhahn.it) und ist dort als besonders kinderfreundlich ausgezeichnet. Ferienwohnungen für 4-5 Personen, auf Wunsch auch mit Frühstück buchbar.