Was blogst du? Verena Carl, schnell und aktuell

www.40-something.de – endlich alt genug.

Seit 2015 bin ich als eine von drei Bloggerinnen auf 40-something unterwegs. Was mich beschäftigt, sind Themen wie diese: Wie kann man ohne Panik leben in einer chronisch kranken Welt? Zwei Wochen ohne Kinder verreisen – Egotrip, Befreiung oder beides? Wie kommt es, dass ausgerechnet Mütter in Teilzeit Gefahr laufen, in den Burnout zu schlittern? Wie funktioniert kollegiales Coaching im Job? Und: Warum um Himmelswillen lernt eine Frau über 40 plötzlich Dudelsackspielen?

40-something: die Geschichte unseres Blogs

Seit 2015 bin ich eine von drei passionierten Bloggerinnen bei www.40-something.de. Und Passion, das heißt bekanntlich Leidenschaft und Verzweiflung. Was mir bei der Planung vorschwebte: ein Blogazine, thematisch breit aufgestellt, wie eine hochwertige Zeitschrift, nur im Netz. Die Verzweiflung dahinter: das ewige Lamento über Printsterben und Verlagsniedergang. Puh. Dabei bin ich doch mit Print nicht nur groß geworden, sondern habe mit dem Journalismus in den Neunzigern auch meinen Traumberuf gefunden. Und möchte den auch weiter ausüben – wenn auch vielleicht auf anderen Plattformen, zu anderen Konditionen, im neuen Gewand. Denn wer weiß, wie sich die Branche entwickelt. Auf der anderen Seite die Leidenschaft: zu wissen, dass mit neuen technischen Möglichkeiten heute eine ganz neue Form der Kommunikation möglich ist. Schnell, aktuell, vernetzt, preiswert. Das fand ich spannend, das wollte ich ausprobieren. Auch als Platz für alltägliche Geschichten, mal die, die einem über den Weg laufen, mal die, für die man keinen Platz findet in einem Monatsmagazin und die wiederum zu wertvoll sind für einen schnellen Facebook-Post. Wohin damit? Für wen? Und auch: mit wem?

Die erste Frage war schnell beantwortet. Denn genauso, wie ich am liebsten die Art von Büchern schreibe, die ich auch gerne lese, wollte ich einen Blog für Frauen über 40. Schreiben und lesen. Für kluge Frauen, selbstironische Frauen, fühlende Frauen, die eher neugierig darauf sind, was das Leben ihnen noch so schenkt – oder auch vors Schienbein knallt – , als dass sie jeden Morgen vor dem Spiegel ihre Fältchen zählen oder der Vergangenheit hinterhertrauern. Männer? Sind herzlich eingeladen. Als Leser wie im Leben. Die zweite Frage – mit wem? – ergab sich daraus fast von selbst. Esther Langmaack und Silke R. Plagge, meine „Blogschwestern“, ticken nämlich ganz ähnlich wie ich. Und auch wieder ganz anders. Nur, weil jede von uns ihr Knowhow einbringt, haben wir dieses Baby überhaupt gemeinsam aus der Taufe heben können. Unser gemeinsames Motto seit April 2015: „Endlich alt genug“. Für guten Wein und gegen Höflichkeitskaffee. Für schmerzliche, aber notwendige Trennungen und Reisen allein. Gegen unnötige Pfunde und für jede Menge Selbstbewusstsein. To be continued. Alle paar Tage. Bunt wie das Leben. Alles mitbekommen? Geht hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neu ab Sommer 2017: die Hörspiel-Serie „Schlau wie Vier“

Texte schreiben? Kann ich! Und meine Kollegin Alex Frank vom Kindermedienbüro kann das auch. Aber Texte zum Klingen bringen? Ein Skript schaffen, das erst durch Sprecherstimmen, Toningenieure, Komponisten so richtig zum Leben erwacht? Das gleichzeitig spannend und lebendig ist und dabei Kindern im Grundschulalter Wissen vermittelt über Themen, die sie faszinieren – ob Dinosaurier oder Wildpferde, ob Altes Ägypten oder das Weltall? Und noch mehr als das: sorgsam recherchiert, von Experten gecheckt, spielerisch vermittelt? Anfang 2016 haben Alex und ich diese spannende Aufgabe übernommen und nach einer Idee von Hilla Fitzen, Redakteurin in der Kinder-Hörspielsparte von Sony Music, ein Konzept entwickelt, uns Figuren und Geschichten ausgedacht.

Das Ergebnis ist die neue Serie „Schlau wie Vier“. Und schlau, das sind sie wirklich: die Zwillinge Pia und Lisa, deren Universalerfinder-Mutter ihnen eine vermeintlich funktionslose Erfindung vermacht hat – den Navinauten, mit dem man durch Raum und Zeit reisen kann. Samir, dessen Piloten-Vater manchmal exotische Geschenke von seinen Reisen mitbringt, ohne zu wissen, auf welche Ideen die Kinder dadurch kommen – denn klammheimlich haben die Freunde in ihrem „Chillroom“ auf dem Dachboden längst herausgefunden, wie der Navinaut zu bedienen ist. Und Tobi, mutig und sportlich, der immer die besten Sandwiches dabei hat – schließlich ist seine Mutter nicht nur eine selbstbewusste Single Mom, sondern auch Kantinenköchin in der Grundschule Eulenstraße. Ob sie auch ein wenig zaubern kann?

Die ersten beiden Folgen  „Dinosaurier – der geheimnisvolle Knochen“ und „Wildpferde – Reise in die Mongolei“ sind im Juni 2017 erschienen, demnächst folgen Expeditionen ins Alte Ägypten und auf den Mars. Unsere vier Kinder (Alex: zwei Töchter, ich: eine Tochter und ein Sohn) tanzen und singen bereits den Titelsong mit. Reinhören? Das geht hier.

Südtirol im Winter: Spiel & Rodel gut

Hüttenzauber in der eigenen Stube, Kälbchentaufe im Stall und Einkehrschwung im Top-Skigebiet: Winterurlaub auf dem Bauernhof ist eine Traumkombi für Familien, in denen jeder eine andere Vorstellung hat von einer perfekten Woche im Schnee. 2012 haben mein Mann, meine Kinder (damals sechs und drei) und ich es ausprobiert, darüber geschrieben habe ich in der ELTERN family

 „Psst!“ flüstert Henri durchdringend in mein linkes Ohr. Ich blinzle schlaftrunken in mein Daunenkissen, dann zum Fenster in der Dachschräge. Finster ist es. Nur die Sterne sind weg, die vor ein paar Stunden noch so nah schienen, als könnten sie gleich in unser hölzernes Bauernbett plumpsen. Der aufgeregte Atem meines Sohnes streift meine Wange. „Psst!“ flüstert er noch lauter, „die Tiere schlafen.“ Da hat er höchstwahrscheinlich Recht. Dafür ist Mama jetzt hellwach. Auch wenn sie es sich nicht anmerken lässt.

Stille. Ungefähr zehn Sekunden lang. „Mama?“ „Grmpf?“ „Mama, hat Lotta schon ein Ei gelegt?“ „Nein, Henri, die schläft auch noch.“ Henri stupst mir stumm das geschnitzte Eierkörbchen in die Rippen. Ich verstehe. Ich kapituliere. Denn hier, auf dem Mudlerhof im Gsieser Tal, ist jeder Tag ein bisschen wie Weihnachten: Spätestens um halb sieben sitzen Henri (3 1/2) und Helen (6) senkrecht im Bett, weil sie es nicht erwarten können, in den Stall zu kommen. Jede Ferienwohnung hat eine private Eierlieferantin. Und was gibt es Schöneres, als morgens das noch körperwarme Ei aus der strohgepolsterten Legebox zu nehmen und im Triumphmarsch zum Frühstückstisch zu bringen? Da müssen eben auch die Großen mit den Hühnern aufstehen. Und mit Franz, dem Hahn.

Die Vorstellungen vom Ausschlafen im Urlaub mögen in unserer Familie ein wenig auseinander gehen. Aber sonst ist dieser Südtiroler Milchbauernhof aus dem 18. Jahrhundert mit unserer kuscheligen Ferienwohnung in der ehemaligen Brotkammer ein Sechser im Lotto. Denn er hat alles, was wir zum Winterglück brauchen. Während Helen endlich mal auf Skiern stehen will, reicht für Henri auch der Schlittenhang hinter dem Haus, Hauptsache, es gibt immer genügend Tiere: Stubenkatze und Stallkatze, Küken und Kühe. Und während ich von sonnigen Carving-Hängen träume, schlägt das Herz meines Mannes Dierk für mittelalterliche Burgen und Weinkeller. Aber warum Kompromisse machen, wenn man alles haben kann: am Morgen im Stall den Hasen die Ohren kraulen, am Nachmittag kilometerlange Pisten, abends den leckeren Lagreiner Rotwein auf der Eckbank im Herrgottswinkel? Das alles in einem stillen Seitental Südtirols, mit schneebedeckten Kiefern- und Lärchenwäldern, trutzigen Burgruinen und kleinen Dörfern. Fernab von hochglanzpolierten Après-Ski-Bars und Boutiquen-Bling-Bling, aber dank guter Verkehrsanbindung nur eine dreiviertel Stunde vom vielfältigen Skigebiet Kronplatz entfernt (siehe Kasten S. x).

Natürlich gehört zu einem so zünftigen Winterurlaub auch eine zünftige Urlaubsliebe. Helen hat ihre im Sturm erobert: die Bäuerin Agatha, eine zupackende und äußerst herzliche Person von Mitte 50. Die hat selbst zwei Söhne und eine Tochter großgezogen, lange Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet, und eine geradezu magnetische Wirkung auf Kinder. Wenn Agatha auftaucht, gibt es immer etwas Tolles zu tun. Die Füllung für „Tirtlan“ anrühren, das typische Südtiroler Schmalzgebäck. Oder aus der hofeigenen Milch kleine Käsestücke in Herzform herstellen. Oder, besonders verantwortungsvoll: einen Namen finden für ein neugeborenes Kälbchen. Während unserer Urlaubstage kommen gleich zwei zur Welt, und Helen nimmt die Aufgabe ähnlich ernst wie werdende Elternpaare. Schließlich wird der kleine gescheckte Stier John genannt, die braune Minikuh Ada. Dass die meisten Hühner und Kühe heißen wie aus der aktuellen Top-Ten-Liste der Kindervornamen, ist übrigens kein Wunder: Lotta, Emma und Lisa haben gleichnamige Taufpatinnen.

Schon bald bekommt Helens Urlaubsliebe jedoch harte Konkurrenz. Er heißt Stefan, hat ein freundliches sonnengegerbtes Gesicht und ist, jawoll: Skilehrer. Noch dazu ein ganz exklusiver: Für kleine Greenhorns wie unsere Tochter kann man in der Skischule vom Nachbardorf St. Magdalena den Chef persönlich für eine Schnupperstunde mieten. Und so kurvt Helen bald im Schneepflug ihre ersten Meter Hang hinunter und juchzt halb begeistert, halb ängstlich, wenn sich Stefan erst seine Schülerin und dann den Teller des altmodischen Liftes zwischen die Beine klemmt. Bei dem Anblick muss ich an meine eigenen ersten Schwungversuche in den 70er Jahren im Schwarzwald denken. St. Magdalena, das ist: ein einziger Hang, ein einziger Lift, und direkt neben dem Skischulbüro am Fuße des Hügels kräht ein Langschläferhahn auf dem Mist. Sehr zu Henris Freude. Währenddessen bringe ich auf dem Übungshang meine eingerosteten Oberschenkel wieder in Schwung. Auf halber Strecke saust eine Armada von bunt gekleideten Zwergen an mir vorbei, die aussehen, als hätten sie das Carven vor dem Laufen gelernt. Haben sie wahrscheinlich auch. Wer hier groß wird, kennt schon im Kindergarten jeden Berg beim Vornamen.

Damit Papa Dierk nicht noch einen zweiten Tag mit Henri Hühner am Hang jagen muss, haben unsere Bauersleute eine Überraschung in petto: Wintersport für Skiverweigerer! Auf unserer Wandertour am nächsten Tag werden die Schneeschuhe eingepackt, und los geht’s ab dem Lift in St. Magdalena, einen gewundenen Weg bergauf durch den Winterwald. Die Kinder dürfen auf dem Schlitten sitzen, nur an den steilsten Stellen müssen sie ein paar Meter laufen. Aber Agatha weiß, wie man meckernde Flachlandtiroler bei Laune hält: mit Märchen. Von der Superhenne Mina, die bunt sein wollte wie ein Blumenstrauß, und von dem Königssohn und der Mondprinzessin, die erst miteinander leben konnten, als die Dolomiten ihre bleiche Mondlichtfarbe bekamen. Dass der Weg sich gelohnt hat, darüber sind wir uns spätestens einig, als wir auf fast 2000 Metern an der sonnendurchwärmten Holzwand der „Ascht-Alm“-Terrasse sitzen und Hubi vor uns steht. Der Hüttenwirt sieht beinahe aus wie eines der männlichen Models aus der Fremdenverkehrswerbung, und kochen kann er auch noch: Polenta oder Speckknödelsuppe, Hollerschorle oder Helles, man kann sich kaum entscheiden. Irgendwann kommt Töchterchen Laura (3) aus der Wirtsstube gestapft, ganz cool im Fleecepullover, und zeigt ihr Kinder-Karaoke-Set. Während sie mit Henri und Helen die Hütten-Hits der nächsten Saison einübt, bereiten Dierk und ich uns seelisch auf die Schlittenpartie ins Tal vor und genießen den Bergblick vor der Nase. Den haben wir zu Hause in Hamburg eher nicht so.

Was wir auch nicht haben, sind Burgen. Sehr zum Leidwesen meines Liebsten, der seit seiner Grundschulzeit vom Mittelalter-Virus befallen ist. Ich hab’s zwar nicht so mit Rittern & Co., aber mit diesem Ausflugsziel kann Dierk uns alle ködern: Die Kleinstadt Bruneck, mit dem 2011 eröffneten „Messner Mountain Museum“ in der Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Der Südtiroler Ausnahmebergsteiger Reinhold Messner hat dort eine überwältigende Sammlung zusammengetragen, die das Leben von Bergvölkern aus aller Welt dokumentiert: von der bulgarischen Hochzeitstracht bis zum Tiroler Butterstempel, von der Wasserschale aus dem Wadi Rum bis zur Götterfigur aus dem Himalaja. Und zwar nicht hinter Glas und Absperrseilen ausgestellt, sondern zum Erleben und nah Rangehen. In Nullkommanix haben Helen und Henri eine mongolische Jurte erobert, während ich mich wundere, wie gut buddhistische Gebetsfahnen und trutzige Burgmauern zusammen aussehen.

Und noch etwas hat Bruneck: eine schnuckelige Flaniermeile mit südländischem Flair, gesäumt von zwei mittelalterlichen Stadttoren. In den Bars sitzen blondierte Frauen vor ihrem Nachmittags-Prosecco, in den Boutiquen gibt’s italienische Wintermode von Stefanel und Max & Co, und auf einmal spürt man, dass Südtirol genau so nah an Venedig ist wie am Brenner. Jetzt eine wagenradgroße Angebersonnenbrille aufsetzen und ab ins Straßencafé! Aber daraus wird leider nichts. Helen und Henri haben noch ein Date: Um 17 Uhr im Kuhstall, mit Bauer Peter, zum Melken. Und vielleicht auch noch mal eine Runde mit dem Rutschbike auf den Schlittenhang, und dann muss ja auch noch mal jemand nach den Hühnern sehen. Tja. So ist das eben, wenn man im Urlaub alles haben kann.

 

Tipp: Der Mudlerhof (www.mudlerhof.it, Tel. **39/0474/978446) gehört zur Südtiroler Urlaubs-Bauernhofsvereinigung „Roter Hahn“ (www.roterhahn.it) und ist dort als besonders kinderfreundlich ausgezeichnet. Ferienwohnungen für 4-5 Personen, auf Wunsch auch mit Frühstück buchbar.

 

 

 

Meine Kinderbücher und ich: zum Vorlesen und Selbst-Lesen

Als ich mein erstes Kinderbuch schrieb, hatte ich noch nicht einmal Kinder. Aber ich war schwanger und hatte Lust auf eine Geschichte, die etwas über Freundschaft erzählt und über Loyalität, und in der manchmal Väter Butterbrote schmieren und Mütter Nachtschichten schieben, und die gleichzeitig etwas märchenhaft ist und auch nicht frei von Konflikten. Genau genommen so, wie sich das Familienleben später wirklich darstellte – aber das wusste ich noch nicht, als ich Mein Freund, der Drache 2006 bei Thienemann veröffentlichte (illustriert von der tollen Cornelia Haas). Als ich zwei Jahre später das zweite Kind erwartete, wusste ich schon eher, warum ich mir mein Thema ausgesucht hatte: Eifersucht zwischen Geschwistern, am Beispiel eines Elefantenmädchens, das am liebsten möchte, dass sein winzig kleiner Bruder einfach wieder verschwindet. Titel: Max Klitzeklein, illustriert von Susanne Dinkel.

Weil man sich als Mutter, als Eltern, machmal so fühlt wie die Protagonisten einer endlosen Serie mit verschiedenen Staffeln, freute ich mich dann auch sehr über das Angebot, eine kleine Buchserie über eine Mädchenfreundschaft zu schreiben. So wurden Lilli und Leonie geboren, zwei Drittklässlerinnen, die so verschieden sind – hier Patchwork, dort Vater-Mutter-Kind; hier Fußball spielen und St. Pauli, dort rosa Einhörner; hier Draufgängertum, dort Schüchternheit – , und trotzdem beste Freundinnen sind. Nach vier Bänden (erschienen zwischen 2010 bis 2011) wurde die Serie eingestellt, die Mädchen mag ich bis heute. Weil ich finde, dass weder Pink stinkt noch Schwarz, weder katholische Ehe noch Regenbogenfamilie, sondern weil Familienleben bunt ist und jede Lebensform ihren Platz hat. Jedenfalls: haben sollte.

Und ausgerechnet, als meine Kinder dann größer wurden, fing ich an, nochmal für ganz, ganz Kleine zu schreiben. Gemeinsam mit der Illustratorin Anna Karina Birkenstock entstanden zwei Bände der „Lesebären“-Reihe bei Thienemann, Vorlesebücher für Kinder ab drei. Meine Helden: Die Zwillinge Linda und Linus mit ihrem kleinen Baby-Bruder Mattis. Keine Vorzeigefamilie, bei denen alles glatt läuft, sondern eine Familie mitten aus dem Leben: ein bisschen chaotisch, immer irgendwie am Durchwursteln, manchmal am Rand ihrer Kraft, aber immer voller Liebe. Hier geht es zu „Bei Linda und Linus ist was los„, hier zum zweiten Band „Sommerspaß mit Linus und Linda.“ Der erste Band erschien 2016, der zweite 2017.

Neues aus der Schreibwerkstatt

Im Moment – Sommer 2017 – schreibe ich an einem neuen Roman. Das hier ist der Anfang.

I

Am siebten Morgen fing es an. Das Abrutschen, Absacken, die fast unmerkliche Schieflage.

Zunächst dachte Anna sich nichts weiter dabei und schrieb ihr Schwindelgefühl dem Haus zu, einem alten Haus, hineingebaut in den Steilhang von Taormina. Die Schlafzimmer ihrer Ferienwohnung waren düster, fensterlos und dem Berg zugewandt, nur die Terrasse eröffnete einen Seitenblick aufs Mittelmeer. Dieser Blick, der ins Bodenlose stürzte, über Sträucher, Terrassen, weiter unten über einen ungepflegten Fußballplatz, bis er in der Tiefe auf blau schimmernde Unendlichkeit prallte, die sich horizontlos mit dem Morgenhimmel verband. Dazu dieses wild wuchernde Grün auf Balkonen und über Grundstücksgrenzen hinweg. So als wäre die Natur bereits dabei, stillschweigend wieder einzunehmen, was Menschen ihr abgetrotzt hatten. Als würde die Natur heimlich eine lebendige Stadt in eine überwucherte Ruinensiedlung verwandeln, Zentimeter für Zentimeter, nachts vielleicht, wenn alles schlief.

Und dann dieser Duft, jeder Atemzug eine Mischung aus scharfem Putzmittel, Knoblauch und überreifen Orangen, der Anna schon bei der Ankunft vor einer Woche hatte schwindlig werden lassen. Weil er sie in jenen Frühling vor zwölf Jahren zurückversetzte, in dem die Insel beim Landeanflug vor ihr gelegen hatte, rosa und weiß geschmückt wie eine Hochzeitstorte. Und noch weiter zurück, in die süße, sorglose Zeit, in der ihr Leben noch in einen Campingrucksack gepasst hatte und ihre übersichtliche Zukunft auf ein Busticket aus Pappe.

All das zusammen war Grund genug, um ein wenig aus dem Tritt zu kommen, beschloss Anna. Wenigstens für eine Frau ihres Alters. Und vielleicht auch das dritte Glas Nero d’Avola vom Vorabend.

Aber der Gedanke war kein Trost.

Sie nippte am lauwarmen Milchschaum in ihrem Glas und warf einen prüfenden Blick auf ihre Kinder. Bruno sägte konzentriert an einem Stück Käse, die Haare am Hinterkopf aufgestellt, in jeder Bewegung Bereitschaft, es mit dem neuen Tag aufzunehmen. Um so mehr schien Judith zu spüren, dass etwas Seltsames vor sich ging. Sie starrte mit offenem Mund und ölig schimmernden Augen auf die Mosaiksteinchen des Esstisches, die eine gelb leuchtende Sonne bildeten, knabberte lustlos an einem Panino, und forderte mit künstlicher Babystimme einen Platz auf dem Schoß ihres Vaters. Jo ließ es zu, mit diesem Blick, den er nur für seine Tochter reserviert hatte, für diese Momente, in denen sie ihre Kleinkinderkarte ausspielte, den Prinzessinnentrumpf. Genervte Liebe, liebevolle Genervtheit.

„Erinnerst du dich, was ich gestern erzählt habe? Weißt du noch, was ein Amphitheater ist?“, fragte er sie. Judith verweigerte die Antwort, schob schmollend die Unterlippe vor und versuchte sich auf seinem Schoß zusammenzurollen. Katzenhaft stieß sie ihr Köpfchen gegen Jo, als könnte er sich auf Befehl ausdehnen auf alte Größenverhältnisse, zu einem Vater werden, auf dessen behaartem Unterarm sie in voller Länge Platz fände, so wie als Neugeborenes.

Jo schwieg, insistierte weder auf einer Antwort noch führte er seinen Vorschlag weiter aus, und Anna wusste, warum. Wenn Judith in dieser Stimmung war, dann war sie für keinen der halbherzigen Tagespläne zu begeistern, die sie gestern abend besprochen hatten, nachdem Judith und ihr jüngerer Bruder schliefen. Keine griechischen Theater, keine Bootsfahrten, keine Bergdörfer.

Zehn Jahre war sie, bald elf. Ein kleines Mädchen mit einer großen Seele, die häufig mehrmals täglich zwischen den Extremen pendelte, sie mal beinahe zu einer jungen Frau mit eigenständigen Gedanken machte und mal zu einem Kleinkind. Vor allem in den Morgenstunden war sie klein, wenn sie zu ihren Eltern unter die Decke schlüpfte und mit ihren Füßen nach einem Nest in Jos oder Annas Kniekehlen suchte. Dieses Kind, das von früh an damit beschäftigt gewesen war, Welten zu entwerfen und zu bevölkern, und das manchmal erschöpft zu sein schien von der Stimmenvielfalt in seinem schmalen Schädel. Ein Kind, für das die Zahl fünf blau war und die Zahl zwei gelb, das sich nach Jahren an Aufschriften von Zuckertütchen in Ausflugscafés erinnerte, aber jeden Tag vergaß, was „die Rechnung, bitte“ auf italienisch hieß.

Noch immer ruckelte sie sich auf Jos Oberschenkeln zusammen, so eng, wie ihr Körper es zuließ, und wieder einmal bemerkte Anna erstaunt, wie kurvig sie schon wurde, wie rund ihr Po und ihre Hüften, wie schmal ihre Taille. Dabei war sie eine der kleinsten in ihrer Schulklasse, so, als könnte nicht nur ihr Geist, auch ihr Körper sich nicht entscheiden, was er sein wollte, Kind oder Frau. Ganz die Mutter, nur ohne die Spuren, die Jahre, Schwerkraft und Schwangerschaften hinterlassen hatten. Anna war beinahe sicher, dass auch Judith heute dieses innere Rutschen spürte und ähnlich daran litt wie sie selbst. Nur, dass sie es noch viel weniger hätte benennen können.

Vielleicht waren sich Mütter und Töchter immer ein wenig zu nah, Kontinente, deren Platten in der Tiefe aneinander schabten, sich verhakten, Gebirge aufwarfen, das innerste nach außen beförderten. An Tagen wie heute, das wusste Anna, zog Judith sich langsamer, schwerfälliger an. Brach in Tränen aus, weil ihr nichts zu gelingen schien. Starrte hungrig auf üppig gedeckte Frühstückstische und fand doch nichts, das ihr schmeckte.

Währenddessen hatte sich Bruno bereits mühsam zwei Stücke Käse abgeschnitten, schob sie sich in den Mund und zeigte beim Kauen unbekümmert seine neue Zahnlücke unten links. Sie beneidete ihren Sohn um diese leichte Unempfindlichkeit, die sein Leben vom ersten Tag an einfacher gemacht hatte als das ihrer Tochter und ihr eigenes.

„Ich bin wach“, das war einer seiner ersten kompletten Sätze gewesen, die er als Zweijähriger morgens erwartungsvoll in den langen Flur ihrer Hamburger Altbauwohnung gerufen hatte. Mehr Nestflüchter als Nestsucher, einer, der die Wärme besser speichern konnte als seine Schwester und sie in etwas eigenes, anderes verwandelte. Auch heute war Bruno immun gegen die vage weibliche Weinerlichkeit am Tisch, plapperte vor sich hin, sprang in seiner Erzählung von der letzten Klassenkonferenz zu einem Schnorchel, den er in einem Laden an der Uferstraße gesehen hatte, zwischen dem Imbiss, gegenüber dem Eingang zu einem exklusiven Strandclub, dessen Schild von verblasster Grandezza kündete. „Nur zehn Euro kostet der, der ist ganz toll, Mama, ich geb’s dir von meinem Taschengeld, ehrlich. Können wir bald los, Mama, ja?“

Anna wartete, dass der Espresso seine Wirkung tat, wartete vergeblich, und plötzlich wusste sie, dass sie und ihre Tochter sich heute besser aus dem Weg gehen würden, um sich nicht gegenseitig noch weiter den Boden unter den Füßen wegzugraben. Sie beide brauchten Rettung, und Anna wusste, wo die zu finden war. Judith brauchte ihren Vater. Sie, Anna, brauchte ihren Sohn.

Mit Bruno an den Strand gehen, an den billigen, öffentlichen Teil, zwei Sonnenliegen mieten, ein Wassereis kaufen, heimlich die operierten Brüste der Russin neben ihnen anstarren, die chinesischen Masseurinnen vertreiben, die die letzten Badegäste mit ihrem penetranten „Massagio!“-Angebot nervten, fahrende Marketenderinnen in einer globalisierten Welt. Der samtige Rücken eines Sechsjährigen, sein glucksendes Lachen, die Ernsthaftigkeit, mit der er alleine die Strandtasche bewachte, wenn sie, seine Mutter, auf dem Weg war zur Toilette in der Strandbar. Diese harmlose, leicht verstaubte Mischung aus Bildern mit dem Gelbstich alter Fotoabzüge und in die Jahre gekommener Kinokomödien würde sie heute zurückbringen auf festen Grund, während sich Jo besser Judiths seltsamer Stimmung annehmen konnte. Vielleicht, in dem er sie bei einem Bummel über den Corso in einen Buchladen führte oder einfach mit neuen Geschichten zudeckte. Den Abenteuern der Argonauten, der Herr-Der-Ringe-Saga, alles war recht, so lange es episch war und verschlungen.

Jo war die Art Mann, die an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit der Barde gewesen wäre, der fahrende Sänger. Er erzählte, so wie Musiker improvisierten, selbstvergessen, genussvoll, und nie zwei Mal mit den gleichen Formulierungen. Vor Jahren hatte er auch sie förmlich hineingequatscht in die Liebe. Aber seitdem die Kinder da waren, hatte er seine Worte umverteilt. Meistens war sie nur noch Zaungast seiner Erzählungen. Beide geizten sie mit ihrer Zeit, horteten sie eher jeder für sich als füreinander, als hätten die Jahre ihrer Ehe mehr davon verbraucht, als ihnen eigentlich zustand.

Anna und Jo tauschten einen Blick wortlosen Einverständnisses, und sie hob die Hand über dem Frühstückstisch, um ihrem Mann die behaarte Wange zu streicheln. Seitdem er sich einen Bart stehen ließ, sah er gleichzeitig jünger aus, so wie seine Agenturkollegen mit ihren extraschmalen Kinderjeans, und älter, wie ein moderner Homer mit wässrigen, kurzsichtigen Augen hinter der modischen schwarzen Brillenfassung. Sie fragte sich, ob dieser neue Bart Jos Eingeständnis von Angst war, oder seine Antwort darauf. Eine Demutsgeste vor den 30jährigen Neueinsteigern, die seine Söhne hätten sein können, theoretisch wenigstens, von denen er in der Hierarchie der Firma aber nicht weit genug entfernt war, um die Vaterrolle auszufüllen. Ob auch er das Gefühl kannte, wenn sich der Boden unter den eigenen Füßen unmerklich neigte. Sie nahm sich vor, ihn am Abend zu fragen, verwarf den Plan aber gleich wieder. Diese Blase, die sie beide ihr Leben nannten, und die aus Zwei-Jahres-Verträgen und mündlichen Zusagen bestand, dieser fragile Wohlstand war zu empfindlich, um daran zu rühren.

„Bist du denn schon im Bad fertig, Bruno?“, fragte sie.

Romane von Janna Hagedorn

Janna Hagedorn? Wer ist denn jetzt diese Janna Hagedorn? Das könnte man philosophisch beantworten: Ich ist ein anderer. Oder einfach ganz simpel: Verena Carl und Janna Hagedorn sind ein und dieselbe Person. Sie schreiben nur ganz unterschiedliche Bücher. Finden beide.

Wie das passieren konnte? Ganz einfach. Nachdem Verena Carl zwischenzeitlich ein wenig die Faxen dicke hatte von literarischem Anspruch, hatte sie eine Idee für einen richtig süffigen Chicklit-Roman nach dem Muster: Yoga meets Bridget Jones. Aber als „Mantramänner“ dann fertig war, stellte sie fest: nee. Die passen nicht zu diesem Namen. Da wohnt eine zweite Seele in meiner Brust, die anders denkt und anders schreibt. Die vielleicht lustiger, unbekümmerter und romantischer ist als die gute alte Verena. Was tun? So wurde Janna Hagedorn geboren – nicht ganz anders, aber doch nicht dieselbe. Aus Verenas zweitem Vornamen und Verenas Ehenachnamen (denn Carl heißt sie eigentlich seit 2004 schon gar nicht mehr).

Janna Hagedorn schrieb also eine Yoga-Romanze, erschienen 2011. Danach dann die Geschichte von zwei Frauen, die sich in einem abgewrackten Wellnesshotel an der Nordsee begegnen und nicht gemeinsam haben außer dem Alter – 40! – und, wie sich dann herausstellt….aber nein, kein Spoiler bei dieser Art von Roman. „Friesenherz“ (2014) ist jedenfalls eine Geschichte über ganz unterschiedliche Lebensentwürfe in der Lebensmitte, und wie man, verdammt noch mal, in seinem Garten bleiben und doch an das grünere Gras auf der anderen Seite des Zaunes kommen kann. Und dann, weil Janna (und Verena) das Wendland in Niedersachsen so lieben, folgte 2016 noch „Elbe aufwärts“  – da wird eine einigermaßen zynische Ex-Chefredakteurin in Zeiten der Print-Krise in die Wüste geschickt, versucht, ausgerechnt im Öko-Biotop ein Edel-Landrestaurant aufzumachen, scheitert natürlich krachend, aber findet möglicherweise die Liebe, oder auch nicht. Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. All diese Romane sind im Diana Verlag erschienen.

Was Janna Hagedorn zur Zeit macht? Nichts. Schlafen. Vielleicht irgendwann wieder aufwachen – who knows? Im Moment hat gerade wieder Verena Carl übernommen. Aber, keine Sorge: Die beiden verstehen sich blendend.

Romane von Verena Carl

Mein Parallel-Leben als Schriftstellerin begann so etwa im Jahr 1997, als ich verdutzt eine Poetry Slam-Bühne in München hochstolperte, um mir eine Flasche Whisky abzuholen – der Hauptpreis für meinen 10-Minüter am Mikrofon, gemessen an der Lautstärke des Applauses. Den Inhalt habe ich verdrängt, irgendwas über starke Frauen und unerwiderte Liebe, was einen halt so umtreibt als 20-something. In diesen Jahren habe ich es einfach genossen, frei von „immer an den Leser denken“-Parolen und „Das versteht die Leserin nicht!“-Geboten meinem Spaß am Text und an schönen Worten freien Lauf zu lassen. Ein Gegenprogramm zu den Reise- und Frauenmagazinredaktionen, für die ich damals arbeitete. Gewonnen habe ich den Slam bei weiten nicht immer, manchmal wurde ich auch von der Bühne gebuht, aber bin dennoch immer wieder auf die Spielwiese zurückgekehrt neben meinem Job als Journalistin. Nachdem ich noch im alten Jahrtausend ein Jugendsachbuch über Flirten im Internet geschrieben hatte (es hatte den damals ungemein hippen Titel „Herzklopfen im Cyberspace“ und verstieg sich zur kühnen Behauptung, das Internet sei eh nur so eine Phase) ermunterte mich meine sympathische Lektorin bei dtv junior, es mal mit einem Jugendroman zu versuchen, der dann schließlich aus verschiedenen Gründen doch im Erwachsenenprogramm landete. „Lady Liberty“ war also streng genommen mein Debüt im Jahr 2001 – natürlich eine Liebesgeschichte, natürlich im Poetry Slam-Milieu – , und wurde später vom Thienemann Verlag in aktualisierter Fassung unter dem Titel „Der Himmel über New York“ erneut herausgebracht, diesmal tatsächlich in einer Jugendbuchreihe, in die es auch gehört.

Mein erstes Hardcover erschien 2002 unter dem Titel „Eine Nacht zu viel“ bei Marion von Schröder – die Geschichte einer lebensverändernden Begegnung zwischen einer schüchternen Studentin und einem abgehalfterten Reisejournalisten, die gemeinsam in einem Bergdorf eingeschneit werden und die Nacht Sheherazade-artig mit Reden, Erzählen und Geständnissen verbringen, die immer mehr an die Substanz gehen.

2007, zehn Jahre nach meinem ersten Poetry Slam, brachte Eichborn mein Roman „Irgendwie irgendwann“ heraus, die Geschichte einer Kindheit und Jugend im friedensbewegten und katastrophenängstlichen Freiburg der 80er Jahre – diese Kulisse ist autobiographisch, die obsessive Liebe einer 13jährigen, die nicht so richtig weiß, ob sie sich eigentlich nach einem Vater sehnt oder nach einem Liebhaber, ist es nicht. Weil mir die Kombi aus dem Geist eines Jahrzehntes und dem Geist eines Ortes so gut gefiel, wilderte ich zwei Jahre später nochmal in meiner eigenen Biographie, das Ergebnis war „Wer reinkommt, ist drin“ – diesmal die Geschichte zweier Studentinnen, die sich in den 90er Jahren in München eine WG teilen und sehr genaue Vorstellungen vom Leben haben. Nur, dass das Leben sich einen Spaß daraus macht, jeder genau das Gegenteil von dem zu schenken, das sie sich wünscht. Ein geplanter dritter Teil – angesiedelt in Hamburg in den Nuller Jahren – kam nie zustande, weil der Verlag damals nach turbulenten Monaten der Insolvenz verkauft wurde, was zu einigen Umstrukturierungen führte. Schade, ich hätte gerne einen Schuber mit drei Bänden gehabt. Stattdessen verlegte ich mich in den darauf folgenden Jahren zur Abwechslung auf rein unterhaltsame Frauentitel, bastelte mir aus meinem Ehe-Nachnamen und meinem Vornamen einen zweiten Autorennamen und versuchte mich – durchaus erfolgreich – im ChickLit-Genre, Unterabteilung „40-somethings.“

Bis ich merkte, dass ich mich zu alt fühlte für einfach Happy Ends und die Art von Konstruktion, die nicht die Welt im Innersten zusammenhält, sondern nur jeden beliebigen 90-Minüter im TV-Programm. Und alt genug für mehr: mehr Gedanken, mehr Genauigkeit, mehr Liebe zur Sprache. Was dann geschah? Was wohl: Ich begann mit einem neuen Roman. Fand einen wunderbaren, literarischen Verlag dafür. Dazu an dieser Stelle bald mehr – man soll ja immer beim Cliffhanger aufhören….

Was die Presse über meine Romane schreibt, können Sie hier nachlesen.

 

Referenzen – das waren und sind meine Auftraggeber

Im Laufe eines journalistischen Lebens, das nun schon über 20 Jahre währt, habe ich für so einige Magazine, CP-Projekte, Websites und Zeitungen geschrieben. Ein Überblick:

Gruner & Jahr:

ELTERN-Magazin

ELTERN family

Brigitte

Brigitte WOMAN

Barbara

NEON

NIDO

Jahreszeiten Verlag:

PETRA

Für Sie

MERIAN

VITAL

Bauer Verlag:

Alles für die Frau

Laura

MYWAY

Conde Nast:

MYSELF

Burda:

freundin

freundin DONNA

Fit for Fun (Milchstraße)

Tageszeitung:

Münchner Abendzeitung

Hamburger Abendblatt

Corporate Publishing/Fachmagazine:

Werben & Verkaufen

Rulebreaker Magazine

PASST! (Bauhaus)

Arlberg Magazin

Relais & Châteaux

Website:

Spiegel Online

 

 

 

 

Übermütter: Warum mir Mamas mit Missionsdrang unheimlich sind

Wenn Frauen Babys bekommen, ist das eine schöne Sache. Wenn sie sich deswegen für bessere Menschen halten, eine schwierige. Und spätestens, wenn sie sich selbst zu Mutter-Göttinnen erklären, finde ich: Mama, komm mal wieder runter! So habe ich es in der BRIGITTE im Rahmen der „Geht das nur mir so?“-Kolumne beschrieben – im Frühjahr 2017

 Am Anfang war das T-Shirt. Ich sah es zum ersten Mal vor einigen Jahren in einem besseren Hamburger Viertel, und ich hielt es für einen Witz. Einen von der feinen, selbstironischen Art. Das T-Shirt spannte sich über einem athletischen Schwangerschaftsbauch am Nebentisch im Café, und mitten drauf prangte das Wort „Göttin“. In Glitzerbuchstaben. Das fand ich lustig, denn das kannte ich auch: dass man als werdende Mutter in begeisterte Schnappatmung verfällt, wenn der eigene Körper auf einmal nicht nur Enzyme, Abluft und einen Zentimeter Haarlänge pro Monat produziert, sondern einen komplett neuen Menschen. Gleichzeitig ist der gelinde Schwangerschaft-Größenwahn ein bisschen albern. Als hätte man die Weltformel gefunden und nicht einfach nur ein Baby im Bauch. Was ich nicht ahnte bei meiner ersten Begegnung mit dem göttlichen T-Shirt: Die meinen das ernst. Und das war erst der Anfang.

Seitdem habe ich nämlich zunehmend das Gefühl: Frauen werden nicht einfach Mutter, sie erhöhen ihren Status. Und den muss man zelebrieren, kommunizieren und absichern. Eine „Baby Shower“, bei der die Freundinnen kurz vor der Geburt Geschenke vorbeibringen und alkoholfreien Prosecco servieren? Total Nuller Jahre. Mittlerweile gibt’s vorher noch die „Gender Reveal Party“, bei der vor der anwesenden Peergroup feierlich verkündet wird, ob’s ein Junge wird oder ein Mädchen. Mit Oh und Ah und farblich passenden Cupcakes. Andere Schwangere – wenn auch wenige – bringen ihre Kinder sprichwörtlich mutterseelenallein auf die Welt, ohne Arzt, ohne Hebamme, am liebsten im Wald und auf der Heide. Danach bloggen sie weltöffentlich von der göttlichen Kraft, die sie bei der „Alleingeburt“ durchströmt hat. Dass Mutter Natur es nicht immer nur gut meint? Kommt in den weiblichen Allmachtsphantasien eher nicht vor. Einen weiterer Höhepunkt war neulich auf Facebook & Co zu sehen: Kaum freuten sich Leute, dass das Jahr 2016 endlich vorbei ist, mit Terror und Katastrophen, hagelte es prompt Kritik von Frauen, die in dieser Zeitspanne ein Baby zur Welt gebracht hatten. Tenor: Wer 2016 am liebsten in die Tonne treten will, beleidigt damit mein Kind, vor allem aber mich und meinen Körper. „Weil der nämlich Großartiges geleistet hat!“ Zitat Ende.

Dabei hat der Hang zur Selbst-Vergöttlichung eigentlich einen positiven Hintergrund. Kind oder nicht Kind, das ist heute in erster Linie eine private Entscheidung. Der Körper kommt mit Special Features zur Fortpflanzung daher, aber ob man die nutzt oder nicht, ist grundsätzlich jedem selbst überlassen. Gut so. Ende der Geschichte. Oder auch nicht, denn da kommt ins Spiel, was Sozialwissenschaftler als „Kognitive Dissonanz“ bezeichnen: Wenn ein Schritt nicht selbstverständlich ist, sondern wählbar, dann sucht man umso dringender nach Bestätigung, wenn man ihn gegangen ist. Umgibt sich mit Menschen, die bestätigen, das Gras auf dieser Seite des Zaunes sei unzweifelhaft grüner und die Heiligenscheine leuchteten heller. Das ist menschlich und verständlich. Aber auf die Dauer nervt es. Wenn sich Mütter offensiv für bessere Menschen halten, werten sie damit andere ab, freiwillig oder unfreiwillig Kinderlose. Und wohin Narzissmus führt, sehen wir derzeit jeden Abend im TV an den Führungsfiguren der freien und weniger freien Welt. Vielleicht können wir uns auf folgendes einigen: Entweder Mütter sind doch keine Göttinnen, oder wir sind es alle. Wie Yoga-Jünger gerne zur Begrüßung sagen: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir“. Und nein: Damit ist in dem Fall kein Baby gemeint.